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Gedenkdienst-News


Rudolf Gelbards unermüdliches Engagement für
die Aufklärung über die NS-Verbrechen


Zeitzeugengespräch mit Rudolf Gelbard
Gedenkdienst-Kandidaten und Rudolf Gelbard (81)





Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen


Delegation aus Prato, Italien bei der Befreiungsfeier
Delegation aus Prato, Italien am 8. Mai 2011 in Mauthausen

Wie jedes Jahr organisierte unsere Gedenkdienst-Einsatzstelle, das Museo della Deportazione in Prato, Italien gemeinsam mit dem nationalen Verband ehemaliger KZ-Häftlinge eine Gedenkreise für Hinterbliebene ehemaliger KZ-Häftlinge sowie interessierte Bürger. Der offiziellen Delegation gehörte auch Gedenkdiener Florian Lust an. Neben der Teilnahme an der internationalen Gedenkfeier in Ebensee kam die Delegation am 8. Mai auch zur Gedenk- und Befreiungsfeier nach Mauthausen.




Online-Konferenz mit Anton Legerer


Buch: 'Tatort: Versöhnung' (Dr. Anton Legerer, Mai 2011)
Dissertation zur Geschichte der ASF in Deutschland sowie den Gedenkdiensten in Österreich


Am 4. Mai war Anton Legerer, der erste Gedenkdienstleistende in Nordamerika (United States Holocaust Memorial Museum, 1993) Gast bei unserer Online-Konferenz. Er studierte Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Psychologie in Wien und wurde an der Abteilung für Geschichte und Kulturgeschichte des Europäischen Hochschulinstitutes Florenz promoviert. Legerer ist als Psychologe und Zeithistoriker, Publizist und Lehrbeauftragter im Gesundheitswesen in Wien tätig. Er erhielt den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2003 für die Mitherausgabe von »Jenseits des Schlussstrichs«.

Ende Mai 2011 erscheint seine Dissertation "Tatort: Versöhnung" bei der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig. Die Aktion Sühnezeichen bzw. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der BRD (1958) und DDR (1961) sowie Gedenkdienste in Österreich (1992) bieten Plattformen für zwischenmenschliche und symbolische Versöhnungshandlungen zwischen den Nachkommen in den Tätergesellschaften und Betroffenen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und deren Nachkommen. (Quelle: www.eva-leipzig.de)




Gesprächsrunde mit Ruth Klüger im Cafe Zartl


Gesprächsrunde mit Ruth Klüger im Cafe Zartl (April 2011)
Gedenkdiener gemeinsam mit Ruth Klüger


Ruth Klüger wurde am 30. Oktober 1931 in Wien geboren. Als Jüdin wurde sie nacheinander in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. 1947 wanderte sie in die USA aus und studierte dort Anglistik und Germanistik. Heute lebt sie als Literaturwissenschaftlerin in Irvine/Kalifornien - mit einem zweiten Wohnsitz in Göttingen. Ihre Biographie »weiter leben« ist ihre erste literarische Veröffentlichung. Sie fand damit ein überwältigendes Echo bei Kritikern und Publikum und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. (Quelle: www.amazon.de)

Am 16. April 2011 fand am Nachmittag im Cafe Zartl in Wien eine Gesprächsrunde mit Ruth Klüger und einigen Gedenkdienern statt. Frau Professor Klüger war sehr interessiert an unserer Arbeit und wollte aus diesem Grund auch genau wissen, bei welchen Einrichtungen die Anwesenden gearbeitet haben bzw. arbeiten werden. Schwerpunkt des Gesprächs waren aber natürlich die beiden Bücher "weiter leben - eine Jugend" und "unterwegs verloren: Erinnerungen". Weiters sprachen wir über ihr Verhältnis zu ihrer Mutter, die Emigration in die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und ihre Schwierigkeiten an den US-Universitäten. Besonders interessant war ihre persönliche Sichtweise zu Österreich (hier vor allem Wien), Deutschland, Israel und den USA.




Internationaler Roma-Tag am 8. April
Gedenkdienst beim ERRC in Budapest


Eingangsbereich European Roma Rights Centre
European Roma Rights Centre (www.errc.org)


Das European Roma Rights Center kümmert sich um die Probleme der Roma, und deren Rechte. Der aktuellste Fall ist die Segregation von Roma-Kindern in der Schulbildung. Über 90% aller Schüler in Sonderschulen für mental behinderte Kinder sind Roma. Dies ist ein sehr großes Problem da man mit einem Sonderschulabschluss absolut keine Chance auf eine weitere Bildung hat. Viele Eltern wissen leider auch nicht darüber Bescheid und wollen sogar, dass ihre Kinder in Sonderschulen kommen, damit sie nicht diskriminiert werden, was in normalen Schulen leider oft der Fall ist.

Die Arbeit des Gedenkdieners im ERRC bezieht sich auf organisatorische Arbeiten, wie das mitarbeiten bei größeren Projekten, beispielsweise der SummerSchool, einem Bildungsprogramm für Roma und Aktivisten, in dem den Teilnehmern Rechte und die Nützung rechtlicher Werkzeuge näher gebracht wird, aber auch auf administrative Arbeiten wie zum Beispiel das erstellen einer Datenbank über die Bibliothek des ERRC. Auch ist es nicht unüblich an regelmäßig stattfindenden Demonstrationen teilzunehmen, die oft in Kooperation mit Amnesty International organisiert werden. Mit Johannes Beer ist im Moment bereits der fünfte Gedenkdiener vor Ort.




Persönliche Eindrücke vom Gedenkdienst in
Australien, Brasilien, Israel und Kanada


Gedenkdiener Raffael Stuhlpfarrer und Daniel James Schuster
Gedenkdiener Raffael Stuhlpfarrer und Daniel James Schuster (v.l.n.r.)


Am 6. April 2011 fand um 19:00 Uhr im Wissensturm Linz im Rahmen der Vortragsreihe "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft, Auslandsdiener berichten von internationalen Erfahrungen" eine Präsentation über die weltweiten Eindrücke und Erfahrungen zwei ehemaliger Auslandsdiener statt.

Daniel James Schuster aus Buchkirchen in Oberösterreich hat von September 2006 bis August 2007 Gedenkdienst bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel geleistet. Aufgrund seines besonderen Engagements wurde er als Auslandsdiener des Jahres 2007 ausgezeichnet. Da der junge Oberösterreicher auch die australische Staatsbürgerschaft besitzt, ist er gemeinsam mit einem weiteren Gedenkdiener am Jüdischen Museum in Melbourne auf die Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Eva Marks aufmerksam geworden. Als Anerkennung für Ihre Jahrzehnte langes Engagement wurde ihr auf Initiative von Daniel James Schuster der Austrian Holocaust Memorial Award 2010 verliehen.

Anschließend berichtete Raffael Stuhlpfarrer aus Graz über seinen Gedenkdienst bei der Casa Stefan Zweig in Brasilien sowie in Toronto, Kanada. Die Casa Stefan Zweig hat - wie der Name bereits vermuten lässt - natürlich einen starken Österreich-Bezug. Dieses Projekt wurde vom brasilianischen Stefan Zweig-Biografen Alberto Dines gegründet, und hat zum Ziel im letzten Wohnhaus von Stefan Zweig in Petrópolis ein Museum zu errichten. Der österreichische Gedenkdiener ist dabei vor allem für Recherche-Tätigkeiten im Bereich der Exilliteratur, Web-Administration, Vorbereitung von Ausstellungen sowie Mithilfe beim Sponsoring im Einsatz. Nach sechs Monaten wechselte Raffael Stuhlpfarrer nach Toronto um dort bei Hillel Canada sowie dem Holocaust Education Centre in den verschiedensten Bereichen mitzuhelfen. Eine kanadische Schülergruppe wird im Mai nach Österreich kommen - auch hier war der Gedenkdiener in die Vorbereitung involviert.

Am 13. sowie 27. April berichten jeweils Sozialdiener und Friedensdiener von ihren Erfahrungen: www.auslandsdienst.at/alumni-linz

Eine Veranstaltung der VHS Linz in Kooperation mit dem Auslandsdienst Alumni Club.




Besuch bei Leopold Engleitner (105) in Linz


Gedenkdiener mit Leopold Engleitner (März 2011)
Gedenkdiener gemeinsam mit Leopold Engleitner, Bernhard Rammerstorfer, Andreas Maislinger und Angelika Lichtkoppler





Gesprächsrunde mit Fritz Probst (94) im Cafe Prückel
Befreiung Österreichs mit der Britischen Armee


Gesprächsrunde mit Fritz Probst im Cafe Prückel (Oktober 2010)
Gedenkdiener gemeinsam mit Fritz Probst


Fritz Probst wurde 1916 in Wien geboren. Er war in den Jahren des Austrofaschismus im Kommunistischen Jugendverband tätig, der von ihm in Favoriten mitgegründet wurde. Er wurde mehrere Male inhaftiert, bis er 1939 über Prag nach England emigrierte, wo er die Organisation "Young Austria" mitgründete. Er ist einer von rund 3.000 Österreichern, die in der britischen Armee für die Befreiung Österreichs kämpften. 1945 kehrte ehr nach jahrelangem Exil nach Wien zurück. (Quelle: www.oesterreich-2005.at)

Am 26. Oktober 2010 fand am Nachmittag im Cafe Prückel in Wien eine Gesprächsrunde mit Fritz Probst und einigen Gedenkdienern statt. Herr Probst hat über die verschiedenen Stationen seiner beeindruckenden Lebensgeschichte berichtet. Ein Schwerpunkt des Gesprächs war natürlich sein Engagement im Widerstand (siehe: "Mein Leben im Widerstand", Globus Verlag) sowie seine Zeit in der Britischen Armee und die damit verbundene Befreiung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg.




Österreich/Australien:
Austrian Holocaust Memorial Award 2010
an Eva Marks


Austrian Holocaust Memorial Award 2010 an Eva Marks (Melbourne)
v.l.n.r.: Prof. Paul Bartrop, Daniel James Schuster, Botschafter Dr. Hannes Porias, Eva Marks,
MP Michael Danby, Saba Feniger, Einat Weiss



Eva Marks wurde 1932 in Wien geboren, musste aber bereits sechs Jahre später nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland mit ihrer Familie nach Lettland fliehen. Die Hoffnung auf ein Visum für die USA erlosch alsbald Lettland von Russland eingenommen wurde und alle Grenzen geschlossen wurden. Während der Operation Barbarossa, geriet sie in sowjetische Gefangenschaft und wurde in ein Gulag nach Sibirien und 1943 in ein weiteres nach Kasachstan deportiert. Erst 1947 kam sie nach Ende des Krieges wieder in Freiheit und baute sich in Melbourne eine neue Existenz auf. In ihrem Buch A Patchwork Life hat sie ihre Lebensgeschichte veröffentlicht.

Eva Marks setzt sich seit ihren Erlebnissen besonders gegen das Verschweigen der Verbrechen der sowjetischen Gulags parallel zur Geschichtsaufarbeitung des Nationalsozialismus ein. 18 Monate lang leistete sie einen Freiwilligendienst am Jewish Museum of Australia und 17 Jahre lang am Jewish Holocaust Museum and Research Centre. Darüber hinaus war sie ein Gründungsmitglied der World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust in Melbourne, sowie drei Jahre lang Kassenführerin für das Friends of the Holocaust Center in Melbourne..

Nicht nur, jedoch, auf Grund ihrer jahrelangen Unterstützung von Organisationen, die sich mit der Vergangenheit des Judentums und insbesondere mit der Shoah beschäftigen, sondern auch wegen ihrer Öffentlichkeitsarbeit in Radiosendungen, TV-Auftritten und öffentlichen Vorträgen wurde Eva Marks diese Verleihung am 28. Oktober 2010 zur Ehre. Eva Marks ist eine derjenigen Überlebenden, die nahezu sofort nach ihrer Freilassung öffentlich über ihre Kriegserlebnisse sprach. Bereits 1952 berichtete sie auf einem kanadischen Radiosender und konnte bisher bald 6 Jahrzehnte ein Stimme für diejenigen Opfer des zweiten Weltkrieges sein, die bisher grossteils übersehen wurden; nämlich für die Opfer der Gulags.

Die Auszeichnung fand in einem festlichen Rahmen an der Makor Jewish Library des Beth Weizmann Community Centre in Melbourne statt. Der ehemalige Gedenkdiener Yad Vashems und Auslandsdiener des Jahres 2007, Daniel James Schuster, moderierte die Veranstaltung. Redner waren Michael Danby, ein Member of Parliament der australischen Labour Party, der ein Gratulationsschreiben der australischen Premierministerin Julia Gillard verlesen hat; Einat Weiss, Kulturattachée der Israelischen Botschaft in Australien; Prof. Paul Bartrop, der als Vertreter Australiens im Internationalen Rat des Österreichischen Auslandsdienstes fungiert und den historischen Kontext Eva Marks‘ Erlebnissen beschrieb; die Auschwitz-Überlebende Freundinn von Eva Marks und ehemalige Kuratorin des Jewish Holocaust Museum and Research Centre Saba Feniger, die eine Rede zu Eva Marks als Person und Freundinn hielt; sowie der Österreichische Botschafter in Australien Dr. Hannes Porias, der ein zu diesem Anlass von Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer verfasstes Grusswort verlesen und die Verleihung vorgenommen hat. Für musikalische Begleitung wurde von einem 3-köpfigen Ensemble einschließlich Eva Marks‘ Sohn Peter Marks und Enkelkind Nicholas gesorgt.




Start des deutschsprachigen Bildungsprogramms beim
Galicia Jewish Museum in Krakau


Galicia Jewish Museum in Kazimierz, dem Jüdischen Viertel Krakaus
v.l.n.r.: Galicia Jewish Museum in Kazimierz (Krakau)


Der Hauptaufgabenbereich des Gedenkdieners ist es Führungen im Museum zu halten. Da das Galicia Jewish Museum in Krakau bisher aus Personalmangel keine deutschsprachigen Führungen und Workshops anbieten konnte, wurde 2010 eine Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Auslandsdienst gestartet. Die Hauptausstellung des Museums trägt den Namen „Traces of Memory“ und wurde nach mühsamer Recherche zwischen 1993 und 2004 vom britischen Fotografen Chris Schwarz und Universitätsprofessor Jonathan Webber konzipiert und realisiert. Sie zeigt welche jüdischen Spuren des ehemaligen Galiziens noch heute in Polen zu finden sind.

Nach fünf Wochen intensiver Vorbereitung und mehrerer interner Führungen für Kollegen, gab Johannes Tiefenthaler seine erste Führung für Besucher. Weitere Aufgabenbereiche sind unter anderem Übersetzungsarbeit und Website-Tätigkeiten, was Foto-, Text- und Film-Uploads beinhaltet.




Illinois Holocaust Museum & Education Center
Florian Müllegger erster Gedenkdiener in Chicago


Gedenkdiener Florian Müllegger mit ASF-Kollegin im ILHMEC
v.l.n.r.: Gedenkdiener Florian Müllegger und ASF-Freiwillige Marie Maternus


Seit 1998 hat der Österreichische Auslandsdienst ein weltweites Netzwerk von 48 Gedenkdienst-Einsatzstellen aufgebaut. Eine davon befindet sich seit Oktober in Skokie, einem kleinen Vorort von Chicago, USA und trägt den Namen Illinois Holocaust Museum & Education Center (ILHMEC). Florian Müllegger leistet hier seit Anfang Oktober 2010 seinen Gedenkdienst.

In einer E-Mail schreibt er, dass die Museumsleitung und die ASF (Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste) ihm geholfen haben, eine Wohnung nahe seiner Einsatzstelle zu finden. Somit war seine Anreise sehr reibungslos und er fand sich rasch zurecht. Arbeitsmäßig hatte er von Anfang an recht viel zu tun. Seine Aufgabenbereiche sind abwechslungsreich und beinhalten u.a. Archivarbeit mit Artefakten, Übersetzungen, Koordination der ankommenden Schülergruppen (manchmal bis zu 600 Schüler). Seit zwei Wochen wird unser Gedenkdiener in Chicago auch einem Dozententraining unterzogen, um seine englischsprachige Tour durch die Museumsaustellungen bestmöglich können. Beinahe täglich hat er mit Holocaust Überlebenden zu tun, und erfährt stetig neue Lebensgeschichten. Weiters ist geplant, dass alle paar Monate ein von ihm verfasstest Interview mit einem Überlebenden auf die Homepage der Einsatzstelle gestellt wird..

Aktuell arbeitet Florian Müllegger mit Kindergartenkindern, für die es ein speziell angepasstes Programm am Illinois Holocaust Museum & Education Center, namens „Miller Familie Youth Exhibit“ gibt. In diesem Programm geht es nicht direkt um den Holocaust, sondern um Charakter- und Gemeinschaftsbildung. Ein weiteres Projekt innerhalb seines Aufgabenbereiches sind die so genannten „Teaching Trunks“. Dabei handelt es sich um Kisten – die vom Center zusammengestellt werden – mit Unterrichtsmaterialien für Lehrer, wie etwa Filme, Bücher und sogar ganze Lehrplanvorschläge. Diese Kisten können kostenlos bestellt werden und werden in der Regel nach ca. einem Monat wieder zurückgeschickt.




4. Zagreb Jewish Film Festival mit Beteiligung des
Österreichischen Auslandsdienstes


Eli Tauber, Andreas Maislinger und Branko Lustig beim 4. Zagreb Jewish Film Festival
v.l.n.r.: Eli Tauber, Andreas Maislinger und Branko Lustig


Der Vorsitzende des Österreichischen Auslandsdienstes Andreas Maislinger und Jörg Reitmaier, der zum Österreichischen Auslandsdiener des Jahres 2009 gewählte ehemalige Gedenkdiener in Oswiecim und Richmond, haben auf Einladung von Oscar-Preisträger Branko Lustig am 4. Jewish Film Festival Zagreb teilgenommen. Das Festival präsentierte von 20. bis 29. Mai 2010 Filmvorführungen, Talent-Workshops, Bildungsveranstaltungen und ein breites Musikprogramm in der Hauptstadt Kroatiens. Ein Erlebnisbericht von Jörg Reitmaier:

„Das Hauptthema des Festivals war ’Righteous Among the Nations/Gerechte unter den Völkern’. Insgesamt wurden 43 Filme gezeigt. Als Eröffnungsfilm war am Sonntag (23. Mai) der Film ’John Rabe’ angesetzt. Regisseur Florian Gallenberger war dazu extra aus Los Angeles angereist.

Am 25. und 27. Mai fand jeweils mit etwa 200 kroatischen Schülern und Studenten ein ’Educational Morning’ statt. Dabei wurde zuerst der Film "Die Sterne verlöschen nicht" von der österreichischen Filmemacherin Helene Maimann gezeigt. Im Anschluss daran sprachen Andreas Maislinger und ich mit jungen KroatInnen über das Thema "Gerechte".

Am 26. Mai stand gemeinsam mit Christian J. Ebner, dem Leiter des Österreichischen Kulturforums in Zagreb, ein Besuch des kroatischen Kulturministers Bozo Biskupic am Programm. Bei diesem Gespräch wurde die besondere Verbundenheit zwischen Kroatien und dem Bundesland Tirol hervorgehoben.

Am Nachmittag des 27. Mai fand ein Treffen mit dem Österreichischen Botschafter Jan Kickert und Natasa Jovicic, der Leiterin der Holocaust-Gedenkstätte Jasenovac, in der Österreichischen Botschaft in Zagreb statt. Auch in diesem Gespräch konnten weitere Schritte für unsere geplante Arbeit in Kroatien vereinbart werden. Im Anschluss fuhren Christian J. Ebner, Andreas Maislinger und ich nach Jasenovac um die dortige Gedenkstätte zu besichtigen.

Ein sehr erfreuliches und nachhaltiges Ergebnis der Reise war, dass mit Branko Lustig (Kroatien) und Eli Tauber (Bosnien und Herzegowina) zwei neue Mitglieder für den Internationalen Rat des Österreichischen Auslandsdiensts gewonnen werden konnten. Vielen Dank an die Organisatoren des Festivals, aber vor allem ein großes Dankeschön an Branko Lustig und Christian J. Ebner.“




USA/Litauen: "Great honor for survivor Jay M. Ipson"


Austrian Holocaust Memorial Award geht an Überlebenden des
Kovno Ghettos und Gründer des Virginia Holocaust Museums


Österreichischer Botschafter überreicht Austrian Holocaust Memorial Award an Gründer des Virginia Holocaust Museums
v.l.n.r.: Botschafter Dr. Christian Prosl, Elly Ipson, Jay M. Ipson und Gedenkdiener Adrian C.S. Kainz


Im Rahmen eines offiziellen Besuches des Österreichischen Botschafters in den USA Dr. Christian Prosl in Richmond, Virginia wurde Jay M. Ipson (74) am 11. Mai 2010 für "sein vorbildhaftes Engagement als Zeitzeuge sowie die Gründung und Leitung des Virginia Holocaust Museums" mit dem Austrian Holocaust Memorial Award 2009 (AHMA) ausgezeichnet. Unter Anwesenheit des gesamten Museumsvorstandes und zahlreicher Gratulanten überreichte der Botschafter nach einer festlichen Laudatio die Urkunde an den sichtlich bewegten Preisträger.

Als 6-Jähriger wurde Jay M. Ipson (geb. Jacob Ipp) mit seiner Familie in das Kovno Ghetto deportiert. Mehrfaches Glück, Helfer, die ihr eigenes Leben riskierten und die Weitsicht des Vaters ermöglichten ihm als eines von wenigen jüdischen Kindern mit den Eltern dem Nazi-Terror und sicher geglaubtem Tod in Litauen zu entkommen. Nach Kriegsende verließen sie ihre verlorene Heimat in Richtung München und gelangten im Juni 1947 nach Richmond.

Seit den 1980er Jahren besucht Jay M. Ipson regelmäßig Schulen um über seine Erlebnisse im Nationalsozialismus zu berichten. 1997 gegründete er mit zwei Freunden das Virginia Holocaust Museum. Aufgrund der großen Nachfrage wurde ein neuer Standort gesucht und das Museum konnte 2003 in einer ehemaligen Tabakfabrik wiedereröffnet werden. Bis heute zählt es mehr als 150.000 nationale aber auch internationale Besucher. Seit 2000 besteht eine Kooperation zwischen dem Österreichischen Gedenkdienst und dem Virginia Holocaust Museum. Derzeit leistet der Grazer Adrian C.S.Kainz seinen Zivilersatzdienst in Richmond. Er ist bereits der fünfte junge Österreicher im Virginia Holocaust Museum und auch für die nächsten Jahre ist die Entsendung weiterer Gedenkdiener an das Museum geplant.

Der Austrian Holocaust Memorial Award wurde 2006 vom Verein Österreichischer Auslandsdienst gestiftet und wird seit damals jährlich an eine Persönlichkeit vergeben, die sich "besonders für das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus engagiert und dadurch innerhalb der Universalität dieses Unrechts und seiner Konsequenzen für die gesamte Menschheit ein Zeichen setzt". Die bisherigen Preisträger sind der chinesische Historiker Pan Guang, der brasilianische Journalist und Stefan Zweig-Biograf Alberto Dines sowie der französische Überlebende des Massakers von Oradour Robert Hébras. Der Preis wird jeweils im Ausland durch die österreichische Vertretungsbehörde überreicht.



Jay M. Ipson gibt Botschafter Prosl eine Museumsführung Virginia Holocaust Museum in Richmond, Virginia'
Persönliche Museumsführung für Botschafter Prosl und Außenansicht des Virginia Holocaust Museums in Richmond

Kostenloser Foto-Download für Journalisten (Gruppenfoto - Verleihung Austrian Holocaust Memorial Award)
(Rechtsklick und Ziel speichern unter..)


Erfolgreiche Schwedenreise des Österreichischen Gedenkdienstes


Gedenkdienst-Vortrag im Jüdischen Museum Stockholm
Gedenkdienst-Vortrag im Jüdischen Museum Stockholm


Von 11. bis 15. Mai 2009 befand sich Jörg Reitmaier als Vertreter für Andreas Maislinger in Schweden, um gemeinsam mit dem in Stockholm aktiven Gedenkdiener Georg Bauer und dem ehemaligen Gedenkdiener in Uppsala, Lukas Schweiger, die beiden Einsatzstellen in Schweden zu besuchen sowie einige offizielle Termine wahrzunehmen. Am ersten Tag gab Georg Bauer für den Österreichischen Botschafter Stefan Toth, die Gesandte Waltraud Dennhardt-Herzog und Jörg Reitmaier eine Führung durch das „Forum för levande Historia“, inklusive Besichtigung der derzeitigen Ausstellung. Anschließend ging es auf Einladung des Botschafters und dessen Frau zum Abendessen in die österreichische Residenz, bei welchem außerdem Lukas Schweiger und Eskil Franck, der Leiter des Forums, anwesend waren. Der Abend war sehr entspannt und auch die Aktivitäten und Projekte des Gedenkdienstes konnten gut vorgestellt werden.

In Begleitung von Frau Dennhardt-Herzog sind die drei Gedenkdiener am Dienstag zur universitären Einsatzstelle nach Uppsala gefahren. Es waren mehrere dort beschäftigte Forscher anwesend, mit denen es zu sehr interessanten Gesprächen über die Arbeit des „Uppsala Programme for Holocaust and Genocide Studies“ kam. Danach gab Lukas Schweiger eine Stadtführung durch seinen Einsatzort.

Etwa 20 Personen, unter ihnen auch Botschafter Stephan Toth, kamen ins Jüdische Museum in Stockholm, als Jörg Reitmaier von seinem bisherigen Gedenkdienst im „Auschwitz Jewish Center“ und Georg Bauer von seinen Eindrücken in Stockholm berichteten. Beide Vorträge wurden sehr positiv aufgenommen und anschließend kam es zu interessanten Unterhaltungen. Unter den Zuhörern waren auch österreichische Holocaust-Überlebende.

An den beiden letzten Tagen fanden noch Gespräche mit der für den Gedenkdienst zuständigen Abteilungsleiterin des Forums, der Leiterin des Goethe-Instituts sowie der Kultur-Referentin der österreichischen Botschaft statt.




Gedenkdienst-Studienreise nach Polen
Polish Hero Pawel Roszkowski


Gerechter unter den Völkern Pawel Roszkowski (April 2010)
"Gerechter unter den Völkern" Pawel Roszkowski, Andreas Maislinger und Gedenkdiener


Anfang April 2009 fanden sich einige angehende und aktive Auslandsdiener zu einer 3-tägigen Gedenkdienst-Studienreise nach Oswiecim und Krakau zusammen.

Der erste Programmpunkt war eine ganztägige Führung im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz (Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau). Weiters wurde das Auschwitz Jewish Center, die Einsatzstelle des Österreichischen Gedenkdienstes, und der Jüdische Friedhof in Oswiecim besichtigt. Am zweiten Tag stand die Fahrt nach Krakau im Mittelpunkt. In erster Linie wurde die historische Altstadt und Kazimierz, das jüdische Viertel Krakaus, besichtigt. Dort hatten die Gedenkdiener die seltene Gelegenheit ein Gespräch mit einem „Gerechten unter den Völkern“ im Galicia Jewish Museum zu führen. Das Galicia Jewish Museum beherbergt derzeit die Gerechten-Ausstellung "Polish Heroes" und ist auch deshalb hervorzuheben, da der Österreichische Auslandsdienst ab 2010 einen Gedenkdiener zur Verfügung stellen wird.

Direkt anschließend an die offizielle Studienfahrt wurden vom Vorsitzenden des Österreichischen Auslandsdiensts, Andreas Maislinger, dem Gedenkdienst-Referenten Adrian Kainz, dem Gedenkdiener Jörg Reitmaier und dem zukünftigen Gedenkdiener Florian Becker einige offizielle Termine wahrgenommen. So trafen sie unter anderem leitende Personen des Auschwitz Jewish Centers, der Internationalen Jugendbegegnungsstätte, des Zentrums für Dialog und Gebet und des Museum Auschwitz-Birkenau.




Gedenkdiener treffen auf junge Diplomaten


Am 5. Dezember 2008 kam es anlässlich des österreichischen Gedenkjahres 2008 zu einer Premiere: Einige ehemalige und zukünftige Gedenkdiener wurden von Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff eingeladen, an einem Treffen mit jungen Diplomaten, Vertretern des Ministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (u.a. Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff und Botschafter Emil Brix) und Vertretern der International Holocaust Task Force (u.a. Hannah Lessing) teilzunehmen. Österreich hatte 2008 ja bekanntlich den Vorsitz der Task Force inne.

Das vorrangige Ziel dieses Erstversuchs war es, im Rahmen des Treffens einen für alle Seiten sehr interessanten Wissensaustausch zu ermöglichen und den jungen Diplomaten die Chance zu geben, von den Erfahrungen der Gedenkdiener zu profitieren, die bereits in vielen Teilen dieser Erde ihren Auslandsdienst geleistet hatten und dabei ein positives Bild ihrer Heimat vermitteln konnten. Den Vertretern des Auslandsdiensts wurde hingegen die Chance gegeben, den Verein vor hochrangigen Vertretern des Außenministeriums zu präsentieren und eine gute Basis für weitere Zusammenarbeit zu schaffen.

Das Treffen war von großem Interesse geprägt, in dem die Auslandsdiener Jörg Reitmaier, Daniel James Schuster, Valentin Hofer, Johannes Webhofer und Daniel T. Schenz und der stellvertretende Vorsitzende Michael Procházka als Vertreter unseren Verein präsentierten, während Andreas Maislinger vielmehr als Gründer des Gedenkdienstes eingeladen wurde.

Am Ende des Tages blieben viele positive Erfahrungen, die Gewissheit eines sehr erfolgreichen Informationsaustausches, und der Wunsch, einen solchen möglichst bald zu wiederholen.



Robert Hébras, Überlebender des SS-Massakers von Oradour, erhält Austrian Holocaust Memorial Award 2008

Enkelin Delphine Hébras, Altösterreicher Jean Serog, AHMA-Preisträger Robert Hébras und  Botschafter Dr. Hubert Heiss (v.l.n.r.)
Enkelin Delphine Hébras, Altösterreicher Jean Serog, AHMA-Preisträger Robert Hébras und
Botschafter Dr. Hubert Heiss (v.l.n.r.) – Foto: Vicent Clausell

Am 17. März 2008, im Rahmen eines feierlichen Empfanges in der Österreichischen Botschaft in Paris, wurde der Oradour-Überlebende Robert Hébras (82) von Botschafter Dr. Hubert Heiss „für sein bemerkenswertes Engagement als Zeitzeuge wider das Vergessen sowie für seinen leidenschaftlichen Einsatz um die Versöhnung zwischen Deutschen, Franzosen und Österreichern“ mit dem Austrian Holocaust Memorial Award 2008 (AHMA) ausgezeichnet.

Neben Jean-Marcel Darthout ist Robert Hébras der einzige heute noch lebende Mensch, der dem Massenmord von Oradour am 10. Juni 1944 entkommen konnte, indem er während der Exekutionen durch die SS mit viel Glück unter dem Leichenberg seiner Freunde und Nachbarn verborgen blieb. Insgesamt fielen dem Massaker 207 Kinder, 254 Frauen und 181 Männer zum Opfer.

Beate Klarsfeld, Dr. Andreas Maislinger und Jean Serog Vorgeschlagen wurde der diesjährige AHMA-Preisträger vom aktuellen österreichischen Gedenkdiener am Centre de la Mémoire d’Oradour (CMO), Mag. René J. Laglstorfer. Damit will der Österreichische Gedenkdienst eindringlich an das historische, aber öffentlich meist totgeschwiegene Faktum erinnern, dass Österreicher im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl überproportional in der SS vertreten waren. Dr. Andreas Maislinger, Gründer und Vorsitzender des Österreichischen Gedenkdienstes: „Die Auszeichnung von Robert Hébras ist eine Verneigung vor den Opfern von Oradour und als Respekt für die Leistung der Überlebenden zu verstehen.“


Beate Klarsfeld, Dr. Andreas Maislinger und Jean Serog (v.l.n.r.)
- Foto Vicent Clausell

Zahlreiche Ehrengäste, darunter der in Schlesien geborene und in den 30er-Jahren nach Frankreich emigrierte Altösterreicher Jean Serog (99) sowie Beate Klarsfeld, haben Robert Hébras zu diesem Anlass gratuliert. Die in Paris lebende Journalistin, die Zeit ihres Lebens für die Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechen eingetreten ist, wurde 1968 durch ihre Ohrfeige für den damaligen deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger bekannt und gilt seither als französisches Pendant zum österreichischen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal.

Der erste und der aktuelle österreichische Gedenkdiener in Oradour: Mag. Werner Kutil und Mag. René J. Laglstorfer Nur zwei Tage nach der Preisverleihung stattete die erste offizielle Delegation aus Österreich der Gedenkstätte von Oradour einen Besuch ab: Österreichs Botschaftsrätin in Frankreich, Mag. Marina Ruhland-Chrystoph sowie Dr. Andreas Maislinger erinnerten an die Mitverantwortung der Österreicherinnen und Österreicher für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Höhepunkt der Visite war die Führung durch die Ruinen des Märtyrerdorfes von Oradour mit AHMA-Preisträger Robert Hébras.
Der erste und der aktuelle österreichische Gedenkdiener in Oradour:
Mag. Werner Kutil und Mag. René J. Laglstorfer (v.l.n.r.)
- Foto: Vicent Clausell

Bereits seit sieben Jahren arbeitet das CMO mit dem Österreichischen Gedenkdienst zusammen. Mit Mag. Werner Kutil leistete 2001 der erste Österreicher seinen Zivildienst in Form eines Gedenkdienstes in Oradour. Mag. René J. Laglstorfer aus Oberösterreich, der Ende vergangenen Jahres nach Frankreich übersiedelte, ist bereits der vierte österreichische Gedenkdiener am CMO. Der Tiroler Mathias Althaler wird ihm im September 2008 nachfolgen.

Mag. Marina Ruhland-Chrystoph, Robert Hébras und Dr. Andreas Maislinger
Mag. Marina Ruhland-Chrystoph, Robert Hébras
und Dr. Andreas Maislinger (v.l.n.r.)
– Foto: France 3 Limousin



Gästeliste:

Gästeliste:
Foto: Vicent Clausell

Stéphanie Boutaud,
Pädagogische Mitarbeiterin im Centre de la Mémoire d’Oradour (CMO), Limoges

Vicent Clausell,
Spanischer Fotograf, Limoges

Michèle Faure,
Verantwortliche für Gedenkdiener und Freiwillige im CMO, Guéret

Sandra Gibouin,
Dokumentalistin im CMO, Oradour-sur-Glane

Robert Hébras,
Überlebender des Massakers von Oradour-sur-Glane, St. Junien

Christine Hébras,
Gattin von Robert Hébras, St. Junien

Delphine Hébras,
Enkelin von Robert Hébras, St. Junien

Dr. Hubert Heiss,
Botschafter der Republik Österreich, Paris

Richard Jezierski,
Direktor des CMO, Oradour-sur-Glane

Beate Klarsfeld,
Journalistin und Nazi-Jägerin, Paris

Mag. Werner Kutil,
Erster Gedenkdiener im CMO (2001/02), Rouen

Mag. René J. Laglstorfer,
Gedenkdiener im CMO (2007/08), Limoges

Yves Lescure,
Direktor der Fondation pour la Mémoire de la Déportation, Paris

Dr. Andreas Maislinger,
Gründer und Vorsitzender des Österreichischen Gedenkdienstes, Innsbruck

Dr. Stefan Martens,
Stv. Direktor des Deutschen Historischen Institutes, Paris

Jutta Perisson,
Bibliothekarin des Österreichischen Kulturinstitutes, Paris

Mag. Marina Ruhland-Chrystoph,
Botschaftsrätin der Republik Österreich, Paris

Angelika Schenk,
Deutsche Freiwillige im CMO (2007/08), Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., Limoges

Nicola Schieweck,
Frankreich-Beauftragte von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., Paris

David Schwarzenbacher,
Gedenkdiener in der Fondation pour la Mémoire de la Déportation (2007/08), Paris

Jean Serog,
Altösterreicher und ältester NS-Flüchtling in Paris

AHMA-Urkunde zum Download
(rechtsklick und ziel speichern unter..)

 

Brasilianischer Journalist erhält Austrian Holocaust Memorial Award


Wien (APA) - Der brasilianische Journalist Alberto Dines erhält den "Austrian Holocaust Memorial Award" (AHMA). Die 2006 vom Österreichischen Auslandsdienst ins Leben gerufene Auszeichnung würdigt damit dessen Buch "Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig". Dines ist auch Präsident der "Casa Stefan Zweig"-Gesellschaft, die ein Museum in der letzten Wohnstätte des nach Brasilien emigrierten österreichischen Schriftstellers eröffnen wird. Die Preisverleihung findet am Mittwoch (24. Oktober) im Österreichischen Generalkonsulat in Rio de Janeiro statt. Auch wenn der Preis nicht dotiert ist, habe sich Dines über die Nachricht "sehr gefreut", sagte der Vorsitzende des Österreichischen Auslandsdienst Andreas Maislinger im Gespräch mit der APA.

Der Österreichische Gedenkdienst, der im Rahmen des Österreichischen Auslandsdienstes Zivildiener an Institutionen vermittelt, die sich mit dem Holocaust auseinander setzen, wird als Beitrag zum Museumsprojekt voraussichtlich einen Gedenkdiener nach Brasilien entsenden. Trotz einiger noch auszuräumender Formalitäten "kann man davon ausgehen", dass ab 2008 ein Österreicher in der "Casa Stefan Zweig"-Gesellschaft arbeiten werde, zeigte sich Maislinger überzeugt.

Der AHMA wird alljährlich an eine Person verliehen, die sich für das Gedenken an den Holocaust im außereuropäischen Raum einsetzt. Man wolle mehr Aufmerksamkeit für dessen Auswirkungen beispielsweise in Lateinamerika, Asien oder dem islamischen Raum erregen, so Maislinger. "Erstaunt" sei er gewesen, als er das Buch Dines' gelesen habe. Dass sich ein brasilianischer Journalist in dieser Weise mit Zweig auseinander setzt, "sollte in Österreich Anerkennung finden". Maislingers Anliegen sei es auch, mit dem diesjährigen AHMA zu zeigen, dass sich Stefan Zweig 1942 in Brasilien letztlich das Leben genommen habe, weil er vor dem NS-Österreich fliehen musste. Weiters wolle man "ein klares Zeichen" für das Stefan Zweig-Museum in Petropolis, rund 80 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, setzen. Im vergangenen Jahr wurde der chinesische Historiker Professor Pan Guang mit dem AHMA ausgezeichnet.

Interview mit Alberto Dines

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Grußwort von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer:

Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrter Herr Dines

Die Karibik, Südamerika vor allem aber Brasilien verkörpern bis heute die Sehnsucht der Mitteleuropäer nach einem exotischen Leben in Überfluss. Ganz anders jedoch empfanden die tausenden Österreicherinnen und Österreicher ihre Flucht hierher. Für sie war es keine Reise ins Paradies, kein Abenteuer, sondern ein dramatischer Wettlauf gegen Verfolgung und Vernichtung in ihrer angestammten Heimat. Stefan Zweig gehörte dabei unzweifelhaft zu den materiell Privilegierten, als er diese Flucht antrat. Und für ihn war es sogar eine Art Rückkehr in eine familiäre Heimat. Und dennoch konnte er sich in dieser Heimat nicht integrieren. Er fühlte sich als Außenseiter und verzweifelte an dem, was in seinem Europa geschah. Sein Selbstmord war dann auch kein Freitod. Es war die tiefe Verzweiflung, die ihn dazu trieb, eine Tat zu begehen, die die nationalsozialistischen Schergen selbst ausführen wollten. Millionenfach taten sie es in Auschwitz, in Majdanek, in Bergen Belsen, in Mauthausen und an vielen anderen Stätten des Grauens. Stefan Zweigs Schicksal ist eines, das herausragt aus der Anonymität des Vergessens. Es ruft dazu auf sich mit der Geschichte des eigenen Landes, mit den Verstrickungen der eigenen Kultur auseinander zu setzen. Es mahnt daran, niemals zu vergessen. In diesem Sinne leistet der Österreichische Gedenkdienst einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der österreichischen Geschichte im In- und im Ausland. Alberto Dines hat seinen Beitrag wissenschaftlich in Brasilien dafür geleistet. Ich gratuliere ihm zu diesem Preis.

WIEN / RIO DE JANEIRO / PETRÓPOLIS
am 24. Oktober 2007
Dr. Alfred Gusenbauer
Bundeskanzler der Republik Österreich

Grußwort von Aussenministerin Ursula Plassnik:

Ich freue mich für und mit Alberto Dines über die verdiente Auszeichnung mit dem Austrian Holocaust Memorial Award und stelle mich mit meinen herzlichsten Glückwünschen ein.

Der Autor Alberto Dines bringt uns mit „Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig“ die letzten Jahre dieses großen österreichischen Autors, der vor dem nationalsozialistischen Terrorregime aus seiner Welt flüchten musste, einfühlsam nahe.

Alberto Dines ist auch Präsident der Gesellschaft ‚Casa Stefan Zweig’. Das schöne und wichtige Projekt eines Stefan–Zweig–Hauses in Petrópolis wird ab Februar 2008 tatkräftig durch einen österreichischen Gedenkdiener unterstützt werden.

Ich schätze diese Initiative sehr, denn unserem heutigen Österreich ist die aufrichtige und verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein besonderes Anliegen.

Dazu gehört auch das Festhalten am Nichtvergessen, wofür sich der von der österreichischen Bundesregierung unterstützte Gedenkdienst mit großem Engagement einsetzt.

Dr. Ursula Plassnik
Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten

Grußwort von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller:

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller "Ich möchte mich im Namen des Landes Salzburg bei Alberto Dines bedanken. Mit seiner Zuneigung zu und seiner Arbeit über Stefan Zweig hat er dem Wahl -Salzburger Stefan Zweig ein ebenso berührendes wie eindringliches literarisches Denkmal gesetzt. Weit über seinen Tod hinaus geht uns das Schicksal Zweigs zu Herzen. Wer seine Bücher kennt und liebt, leidet mit, wenn er die Verlorenheit und Verlassenheit Zweigs intensiv durch Dines Werk miterlebt."

SALZBURG / RIO DE JANEIRO /
PETRÓPOLIS,
am 24. Oktober 2007.

Grußwort von Bürgermeister Heinz Schaden:

Sehr geehrter Herr Dines, ich habe erfahren, dass Sie am 24. Oktober für Ihr Stefan Zweig-Buch mit dem Austrian Holocaust Memorial Award 2007 ausgezeichnet werden und möchte Ihnen dazu aufrichtig gratulieren!

Darüber hinaus wünsche ich Ihnen für Ihre Bemühungen, in Petropolis ein Stefan-Zweig Museum zu initiieren, viel Erfolg. In Salzburg kommt demnächst ein ähnlich gelagertes Projekt zur Umsetzung: Stadt, Land und Universität rufen ein Stefan-Zweig-Zentrum ins Leben. Es wäre interessant, wenn in Zukunft eine Kooperation zwischen diesen Einrichtungen entstehen könnte!

Mit freundlichen Grüßen
Heinz Schaden

Grußwort von Hildemar Holl:

Der brasilianische Journalist und Schriftsteller Alberto DINES hat durch zahlreiche Artikel und vor allem durch seine große Biographie "Morte no Paraíso. A Tragédia de Stefan Zweig" (3. Auflage 2004; deutsche Übersetzung 2006: "Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig) die Kenntnis von Stefan Zweigs Leben und Werk in Lateinamerika und in Europa wesentlich gefördert. Albert DINES stellt im Rahmen seiner Biographie Stefan Zweigs Aufenthalt in Brasilien besonders kenntnisreich und detailgenau dar und zeigt, dass der Dichter trotz der Vertreibung aus Österreich, trotz des Verlustes der Heimat, der Sprache und des europäischen Publikums mitten im Zweiten Weltkrieg Werke schuf (u. a. "Schachnovelle"), die heute zur Weltliteratur zählen. Stefan Zweig sah aber in der Fremde keinen Lebenssinn mehr und schied mit seiner Frau Lotte freiwillig aus dem Leben.

Alberto DINES konnte eine Gruppe von brasilianischen Persönlichkeiten um sich versammeln, die vor kurzem das letzte Wohn- und Sterbehaus von Stefan Zweig in Petrópolis gekauft hat, um darin eine "Casa Stefan Zweig" als Museum und Erinnerungsort für den weltberühmten Dichter und seine Frau einzurichten.

Im Namen der "Internationalen Stefan Zweig-Gesellschaft" danke ich Herrn Alberto DINES für seine vielfältigen Aktivitäten für Stefan Zweig und gratuliere sehr herzlich zur Verleihung der hohen Auszeichnung.

Hildemar Holl, Salzburg

Grußwort von Wilfried Haslauer:

Sehr geehrter Herr Dines,

ich darf Ihnen sehr herzlich zur Auszeichnung mit dem Austrian Holocaust Memorial Award gratulieren!

Besonders freut es mich, daß Sie diese Auszeichnung für Ihre Auseinandersetzung mit Leben und Sterben von Stefan Zweig bekommen haben, der ja mit Salzburg eng verbunden war und dessen Angedenken zu wahren mir auch persönlich ein großes Anliegen ist. Leider hatte ich bisher noch keine Gelegenheit, Ihr Buch über Stefan Zweigs "Tod im Paradies" zu lesen freue mich aber schonjetzt auf die Lektüre und neue Einsichten vor allem in die letzten Lebensjahre Stefan Zweigs, nachdem er Salzburg verlassen musste.

Es gibt einen Satz von Stefan Zweig, der mich bereits lange begleitet und der auch mein Verständis von Politik prägt: "Entscheidend für eine Idee ist nie, wie sie sich verwirklicht, sondern was sie an Wirklichkeit enthält."

Mit der von Ihnen initiierten Casa Stefan Zweig in Petropolis waren Sie den Salzburger Proponenten eines Hauses für Stefan Zweig Vorbild und Inspiration und es freut mich, Ihnen auf diesem Wege mitteilen zu können, daß es gelungen ist, unseren Traum von einer eigenen Forschungsstätte für Stefan Zweig mitten im Zentrum von Salzburg zu verwirklichen.

Die Universität Salzburg stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und Stadt und Land Salzburg beteiligen sich an den Kosten für dieses kulturelle Zentrum. Geplant sind Leseräume, internationale Symposien zum Thema Kultur und Judentum, eine Dauerausstellung zu Stefan Zweig und die weltweite Vernetzung aller Zweig Forscher- und Verehrer.

Es wäre mir daher eine große Ehre und Freude, Sie möglichst bald in Salzburg im neuen Haus für Stefan Zweig (geplante Eröffnung noch 2008) begrüssen zu dürfen.

Nochmals herzliche Gratulation und meine besten Grüße aus Salzburg,

Ihr
Dr. Wilfried Haslauer

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Daniel James Schuster erhält "Auslandsdiener des Jahres 2007" Auszeichnung vom Israelischen Botschafter


Am 11. Oktober 2007 überreichte der israelische Botschafter Dan Ashbel die vom Österreichischen Auslandsdienst verliehene Auszeichnung "Auslandsdiener des Jahres 2007" an Daniel James Schuster im Palais Epstein. Die Einladung erfolgte von der Präsidentin des Nationalrates Mag.a Barbara Prammer. Daniel James Schuster war von September 2006 bis August 2007 Gedenkdiener an der Yad Vashem Holocaust Gedenkstätte in Jerusalem. Da er ein österreichisch-australischer Doppelstaatsbürger ist, hielt auch der australische Botschafter Dr. Peter James Shannon eine Rede.

Auslandsdiener des Jahres 2007


Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933

Ein Bericht von Ralph Karg über die Wechselausstellung des Jüdischen Museums Berlin.



Raum der Reflexion

Zum fünfjährigen Jubiläum des Jüdischen Museums Berlin wurde am 28. September 2006 die Wechselausstellung "Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933" eröffnet. Diese Wanderausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und wird nach Berlin noch im HdG in Bonn und im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig präsentiert.


Raum: Großbritannien


Prof. W. M. Blumenthal
Direktor des JMB
Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung kamen überwiegend geladene Gäste, darunter waren auch ehemalige Flüchtlinge, die aus Nazi-Deutschland vertrieben wurden. Sowohl die Ansprache von Prof. W. M. Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin, als auch die Rede des ehemaligen Israelischen Botschafters in Deutschland Avi Primor begeisterten die über 700 Gäste und gaben Anlass zum Nachdenken.

Die Planung der Ausstellung "Heimat und Exil" startete im Herbst 2004. Ich erlebte als Gedenkdiener die Endphase der Vorbereitung dieser großen Ausstellung. Ich hatte die Möglichkeit Museumserfahrung zu sammeln und erfuhr unzählige Informationen über die deutsch-jüdische Geschichte und den Holocaust.

Die Ausstellung "Heimat und Exil" beginnt mit der scheinbaren Normalität des Lebens der deutschen Juden zur Zeit der Weimarer Republik. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 erfuhr das Leben der jüdischen Minderheit einen Bruch. Die Veränderungen des Alltags und die erzwungene Emigration in Nachbarländer wie Frankreich, Tschechien und die Niederlande wird in den folgenden Räumen beschrieben.

Im weiteren Ausstellungsverlauf werden wichtige Emigrationsziele, wie z.B. USA, Palästina England, Shanghai u.a.m. genauer präsentiert. Am Ende werden auch einige wenige Menschen vorgestellt, die nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Die Gedenkdienststelle im Jüdischen Museum Berlin ist meiner Meinung nach sehr zu empfehlen. Die Arbeit ist vielseitig und sehr interessant. Ich hatte stets die Möglichkeit mich in der Bibliothek und in den Archiven des Museums, einschließlich einer Dependance des Archivs des Leo Baeck Instituts in New York, ausführlich über die deutsch-jüdische Geschichte zu informieren.

Mein Vorgänger Stefan Angerer ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Gedenkdienst unter Umständen zu einer interessanten Anstellung an einem bedeutenden Museum führen kann.



Exzellenz Avi Primor

Raum: "Juden in der Weimarer Republik"

Cilly Kugelmann Programmdirektorin JMB

Copyright Bilder: Jüdisches Museum Berlin 2006
Fotos: Sönke Tollkühn