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Robert Hébras, Überlebender des SS-Massakers von Oradour, erhält Austrian Holocaust Memorial Award 2008

Enkelin Delphine Hébras, Altösterreicher Jean Serog, AHMA-Preisträger Robert Hébras und
Botschafter Dr. Hubert Heiss (v.l.n.r.) – Foto: Vicent Clausell
Am 17. März 2008, im Rahmen eines feierlichen Empfanges in der Österreichischen Botschaft in Paris, wurde der Oradour-Überlebende Robert Hébras (82) von Botschafter Dr. Hubert Heiss „für sein bemerkenswertes Engagement als Zeitzeuge wider das Vergessen sowie für seinen leidenschaftlichen Einsatz um die Versöhnung zwischen Deutschen, Franzosen und Österreichern“ mit dem Austrian Holocaust Memorial Award 2008 (AHMA) ausgezeichnet.
Neben Jean-Marcel Darthout ist Robert Hébras der einzige heute noch lebende Mensch, der dem Massenmord von Oradour am 10. Juni 1944 entkommen konnte, indem er während der Exekutionen durch die SS mit viel Glück unter dem Leichenberg seiner Freunde und Nachbarn verborgen blieb. Insgesamt fielen dem Massaker 207 Kinder, 254 Frauen und 181 Männer zum Opfer.
Vorgeschlagen wurde der diesjährige AHMA-Preisträger vom aktuellen österreichischen Gedenkdiener am Centre de la Mémoire d’Oradour (CMO), Mag. René J. Laglstorfer. Damit will der Österreichische Gedenkdienst eindringlich an das historische, aber öffentlich meist totgeschwiegene Faktum erinnern, dass Österreicher im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl überproportional in der SS vertreten waren. Dr. Andreas Maislinger, Gründer und Vorsitzender des Österreichischen Gedenkdienstes: „Die Auszeichnung von Robert Hébras ist eine Verneigung vor den Opfern von Oradour und als Respekt für die Leistung der Überlebenden zu verstehen.“
Beate Klarsfeld, Dr. Andreas Maislinger und Jean Serog (v.l.n.r.)
- Foto Vicent Clausell
Zahlreiche Ehrengäste, darunter der in Schlesien geborene und in den 30er-Jahren nach Frankreich emigrierte Altösterreicher Jean Serog (99) sowie Beate Klarsfeld, haben Robert Hébras zu diesem Anlass gratuliert. Die in Paris lebende Journalistin, die Zeit ihres Lebens für die Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechen eingetreten ist, wurde 1968 durch ihre Ohrfeige für den damaligen deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger bekannt und gilt seither als französisches Pendant zum österreichischen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal.
Nur zwei Tage nach der Preisverleihung stattete die erste offizielle Delegation aus Österreich der
Gedenkstätte von Oradour einen Besuch ab: Österreichs Botschaftsrätin in Frankreich, Mag. Marina Ruhland-Chrystoph sowie Dr. Andreas Maislinger erinnerten an die Mitverantwortung der Österreicherinnen und Österreicher für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Höhepunkt der Visite war die Führung durch die Ruinen des Märtyrerdorfes von Oradour mit AHMA-Preisträger Robert Hébras.
Der erste und der aktuelle österreichische Gedenkdiener in Oradour:
Mag. Werner Kutil und Mag. René J. Laglstorfer (v.l.n.r.) - Foto: Vicent Clausell
Bereits seit sieben Jahren arbeitet das CMO mit dem Österreichischen Gedenkdienst zusammen. Mit Mag. Werner Kutil leistete 2001 der erste Österreicher seinen Zivildienst in Form eines Gedenkdienstes in Oradour. Mag. René J. Laglstorfer aus Oberösterreich, der Ende vergangenen Jahres nach Frankreich übersiedelte, ist bereits der vierte österreichische Gedenkdiener am CMO. Der Tiroler Mathias Althaler wird ihm im September 2008 nachfolgen.
 Mag. Marina Ruhland-Chrystoph, Robert Hébras
und Dr. Andreas Maislinger (v.l.n.r.)
– Foto: France 3 Limousin
Gästeliste:
Foto: Vicent Clausell
Stéphanie Boutaud,
Pädagogische Mitarbeiterin im Centre de la Mémoire d’Oradour (CMO), Limoges
Vicent Clausell,
Spanischer Fotograf, Limoges
Michèle Faure,
Verantwortliche für Gedenkdiener und Freiwillige im CMO, Guéret
Sandra Gibouin,
Dokumentalistin im CMO, Oradour-sur-Glane
Robert Hébras,
Überlebender des Massakers von Oradour-sur-Glane, St. Junien
Christine Hébras,
Gattin von Robert Hébras, St. Junien
Delphine Hébras,
Enkelin von Robert Hébras, St. Junien
Dr. Hubert Heiss,
Botschafter der Republik Österreich, Paris
Richard Jezierski,
Direktor des CMO, Oradour-sur-Glane
Beate Klarsfeld,
Journalistin und Nazi-Jägerin, Paris
Mag. Werner Kutil,
Erster Gedenkdiener im CMO (2001/02), Rouen
Mag. René J. Laglstorfer,
Gedenkdiener im CMO (2007/08), Limoges
Yves Lescure,
Direktor der Fondation pour la Mémoire de la Déportation, Paris
Dr. Andreas Maislinger,
Gründer und Vorsitzender des Österreichischen Gedenkdienstes, Innsbruck
Dr. Stefan Martens,
Stv. Direktor des Deutschen Historischen Institutes, Paris
Jutta Perisson,
Bibliothekarin des Österreichischen Kulturinstitutes, Paris
Mag. Marina Ruhland-Chrystoph,
Botschaftsrätin der Republik Österreich, Paris
Angelika Schenk,
Deutsche Freiwillige im CMO (2007/08), Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., Limoges
Nicola Schieweck,
Frankreich-Beauftragte von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., Paris
David Schwarzenbacher,
Gedenkdiener in der Fondation pour la Mémoire de la Déportation (2007/08), Paris
Jean Serog,
Altösterreicher und ältester NS-Flüchtling in Paris
AHMA-Urkunde zum Download
(rechtsklick und ziel speichern unter..)
Brasilianischer Journalist erhält Austrian Holocaust Memorial Award

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Wien (APA) - Der brasilianische Journalist Alberto Dines erhält den "Austrian Holocaust Memorial Award" (AHMA). Die 2006 vom Österreichischen Auslandsdienst ins Leben gerufene Auszeichnung würdigt damit dessen Buch "Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig". Dines ist auch Präsident der "Casa Stefan Zweig"-Gesellschaft, die ein Museum in der letzten Wohnstätte des nach Brasilien emigrierten österreichischen Schriftstellers eröffnen wird. Die Preisverleihung findet am Mittwoch (24. Oktober) im Österreichischen Generalkonsulat in Rio de Janeiro statt. Auch wenn der Preis nicht dotiert ist, habe sich Dines über die Nachricht "sehr gefreut", sagte der Vorsitzende des Österreichischen Auslandsdienst Andreas Maislinger im Gespräch mit der APA.
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Der Österreichische Gedenkdienst, der im Rahmen des Österreichischen Auslandsdienstes Zivildiener an Institutionen vermittelt, die sich mit dem Holocaust auseinander setzen, wird als Beitrag zum Museumsprojekt voraussichtlich einen Gedenkdiener nach Brasilien entsenden. Trotz einiger noch auszuräumender Formalitäten "kann man davon ausgehen", dass ab 2008 ein Österreicher in der "Casa Stefan Zweig"-Gesellschaft arbeiten werde, zeigte sich Maislinger überzeugt.
Der AHMA wird alljährlich an eine Person verliehen, die sich für das Gedenken an den Holocaust im außereuropäischen Raum einsetzt. Man wolle mehr Aufmerksamkeit für dessen Auswirkungen beispielsweise in Lateinamerika, Asien oder dem islamischen Raum erregen, so Maislinger. "Erstaunt" sei er gewesen, als er das Buch Dines' gelesen habe. Dass sich ein brasilianischer Journalist in dieser Weise mit Zweig auseinander setzt, "sollte in Österreich Anerkennung finden". Maislingers Anliegen sei es auch, mit dem diesjährigen AHMA zu zeigen, dass sich Stefan Zweig 1942 in Brasilien letztlich das Leben genommen habe, weil er vor dem NS-Österreich fliehen musste. Weiters wolle man "ein klares Zeichen" für das Stefan Zweig-Museum in Petropolis, rund 80 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, setzen. Im vergangenen Jahr wurde der chinesische Historiker Professor Pan Guang mit dem AHMA ausgezeichnet.
Interview mit Alberto Dines
-- Grußwort von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer:
Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrter Herr Dines
Die Karibik, Südamerika vor allem aber Brasilien verkörpern bis heute die
Sehnsucht der Mitteleuropäer nach einem exotischen Leben in Überfluss. Ganz
anders jedoch empfanden die tausenden Österreicherinnen und Österreicher ihre
Flucht hierher. Für sie war es keine Reise ins Paradies, kein Abenteuer, sondern ein
dramatischer Wettlauf gegen Verfolgung und Vernichtung in ihrer angestammten
Heimat. Stefan Zweig gehörte dabei unzweifelhaft zu den materiell Privilegierten, als
er diese Flucht antrat. Und für ihn war es sogar eine Art Rückkehr in eine familiäre
Heimat. Und dennoch konnte er sich in dieser Heimat nicht integrieren. Er fühlte
sich als Außenseiter und verzweifelte an dem, was in seinem Europa geschah. Sein
Selbstmord war dann auch kein Freitod. Es war die tiefe Verzweiflung, die ihn dazu
trieb, eine Tat zu begehen, die die nationalsozialistischen Schergen selbst
ausführen wollten. Millionenfach taten sie es in Auschwitz, in Majdanek, in Bergen
Belsen, in Mauthausen und an vielen anderen Stätten des Grauens. Stefan Zweigs
Schicksal ist eines, das herausragt aus der Anonymität des Vergessens. Es ruft
dazu auf sich mit der Geschichte des eigenen Landes, mit den Verstrickungen der
eigenen Kultur auseinander zu setzen. Es mahnt daran, niemals zu vergessen. In
diesem Sinne leistet der Österreichische Gedenkdienst einen wichtigen Beitrag zur
Aufarbeitung der österreichischen Geschichte im In- und im Ausland. Alberto Dines
hat seinen Beitrag wissenschaftlich in Brasilien dafür geleistet. Ich gratuliere ihm zu
diesem Preis.
WIEN / RIO DE JANEIRO / PETRÓPOLIS
am 24. Oktober 2007
Dr. Alfred Gusenbauer
Bundeskanzler der Republik Österreich
Grußwort von Aussenministerin Ursula Plassnik:
Ich freue mich für und mit Alberto Dines über die verdiente Auszeichnung mit
dem Austrian Holocaust Memorial Award und stelle mich mit meinen
herzlichsten Glückwünschen ein.
Der Autor Alberto Dines bringt uns mit „Tod im Paradies. Die Tragödie des
Stefan Zweig“ die letzten Jahre dieses großen österreichischen Autors, der
vor dem nationalsozialistischen Terrorregime aus seiner Welt flüchten
musste, einfühlsam nahe.
Alberto Dines ist auch Präsident der Gesellschaft ‚Casa Stefan Zweig’. Das
schöne und wichtige Projekt eines Stefan–Zweig–Hauses in Petrópolis wird
ab Februar 2008 tatkräftig durch einen österreichischen Gedenkdiener
unterstützt werden.
Ich schätze diese Initiative sehr, denn unserem heutigen Österreich ist die
aufrichtige und verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der
Vergangenheit ein besonderes Anliegen.
Dazu gehört auch das Festhalten am Nichtvergessen, wofür sich der von der
österreichischen Bundesregierung unterstützte Gedenkdienst mit großem
Engagement einsetzt.
Dr. Ursula Plassnik
Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
Grußwort von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller:
"Ich möchte mich im Namen des Landes
Salzburg bei Alberto Dines bedanken.
Mit seiner Zuneigung zu und seiner
Arbeit über Stefan Zweig hat er dem
Wahl -Salzburger Stefan Zweig ein
ebenso berührendes wie eindringliches
literarisches Denkmal gesetzt. Weit über
seinen Tod hinaus geht uns das
Schicksal Zweigs zu Herzen. Wer seine
Bücher kennt und liebt, leidet mit, wenn
er die Verlorenheit und Verlassenheit
Zweigs intensiv durch Dines Werk
miterlebt."
SALZBURG / RIO DE JANEIRO /
PETRÓPOLIS,
am 24. Oktober 2007.
Grußwort von Bürgermeister Heinz Schaden:
Sehr geehrter Herr Dines,
ich habe erfahren, dass Sie am 24. Oktober für Ihr Stefan Zweig-Buch mit dem
Austrian Holocaust Memorial Award 2007 ausgezeichnet werden und möchte Ihnen dazu aufrichtig gratulieren!
Darüber hinaus wünsche ich Ihnen für Ihre Bemühungen, in Petropolis ein Stefan-Zweig Museum zu initiieren, viel Erfolg.
In Salzburg kommt demnächst ein ähnlich gelagertes Projekt zur Umsetzung: Stadt, Land und Universität rufen ein
Stefan-Zweig-Zentrum ins Leben. Es wäre interessant, wenn in Zukunft eine Kooperation zwischen diesen Einrichtungen
entstehen könnte!
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Schaden
Grußwort von Hildemar Holl:
Der brasilianische Journalist und Schriftsteller Alberto DINES hat durch zahlreiche Artikel und vor allem durch seine große Biographie "Morte no Paraíso. A Tragédia de Stefan Zweig" (3. Auflage 2004; deutsche Übersetzung 2006: "Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig) die Kenntnis von Stefan Zweigs Leben und Werk in Lateinamerika und in Europa wesentlich gefördert.
Albert DINES stellt im Rahmen seiner Biographie Stefan Zweigs Aufenthalt in Brasilien besonders kenntnisreich und detailgenau dar und zeigt, dass der Dichter trotz der Vertreibung aus Österreich, trotz des Verlustes der Heimat, der Sprache und des europäischen Publikums mitten im Zweiten Weltkrieg Werke schuf (u. a. "Schachnovelle"), die heute zur Weltliteratur zählen.
Stefan Zweig sah aber in der Fremde keinen Lebenssinn mehr und schied mit seiner Frau Lotte freiwillig aus dem Leben.
Alberto DINES konnte eine Gruppe von brasilianischen Persönlichkeiten um sich versammeln, die vor kurzem das letzte Wohn- und Sterbehaus von Stefan Zweig in Petrópolis gekauft hat, um darin eine "Casa Stefan Zweig" als Museum und Erinnerungsort für den weltberühmten Dichter und seine Frau einzurichten.
Im Namen der "Internationalen Stefan Zweig-Gesellschaft" danke ich Herrn Alberto DINES für seine vielfältigen Aktivitäten für Stefan Zweig und gratuliere sehr herzlich zur Verleihung der hohen Auszeichnung.
Hildemar Holl, Salzburg
Grußwort von Wilfried Haslauer:
Sehr geehrter Herr Dines,
ich darf Ihnen sehr herzlich zur Auszeichnung mit dem Austrian Holocaust
Memorial Award gratulieren!
Besonders freut es mich, daß Sie diese Auszeichnung für Ihre
Auseinandersetzung mit Leben und Sterben von Stefan Zweig bekommen haben,
der ja mit Salzburg eng verbunden war und dessen Angedenken zu wahren mir
auch persönlich ein großes Anliegen ist. Leider hatte ich bisher noch keine
Gelegenheit, Ihr Buch über Stefan Zweigs "Tod im Paradies" zu lesen freue
mich aber schonjetzt auf die Lektüre und neue Einsichten vor allem in die
letzten Lebensjahre Stefan Zweigs, nachdem er Salzburg verlassen musste.
Es gibt einen Satz von Stefan Zweig, der mich bereits lange begleitet und
der auch mein Verständis von Politik prägt: "Entscheidend für eine Idee ist
nie, wie sie sich verwirklicht, sondern was sie an Wirklichkeit enthält."
Mit der von Ihnen initiierten Casa Stefan Zweig in Petropolis waren Sie den
Salzburger Proponenten eines Hauses für Stefan Zweig Vorbild und Inspiration
und es freut mich, Ihnen auf diesem Wege mitteilen zu können, daß es
gelungen ist, unseren Traum von einer eigenen Forschungsstätte für Stefan
Zweig mitten im Zentrum von Salzburg zu verwirklichen.
Die Universität Salzburg stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und Stadt und
Land Salzburg beteiligen sich an den Kosten für dieses kulturelle Zentrum.
Geplant sind Leseräume, internationale Symposien zum Thema Kultur und
Judentum, eine Dauerausstellung zu Stefan Zweig und die weltweite Vernetzung
aller Zweig Forscher- und Verehrer.
Es wäre mir daher eine große Ehre und Freude, Sie möglichst bald in Salzburg
im neuen Haus für Stefan Zweig (geplante Eröffnung noch 2008) begrüssen zu
dürfen.
Nochmals herzliche Gratulation und meine besten Grüße aus Salzburg,
Ihr
Dr. Wilfried Haslauer
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