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Die Gerechten Österreichs
Bestechungsgelder
für Deutsche
Anton Schmid - 1967
(posthum)
Ein Tag nachdem er von einem deutschen Kriegsgericht in Wien wegen
Hochverrats und Judenrettung zum Tode verurteilt worden war, sandte
der österreichische Feldwebel der deutschen Wehrmacht, Anton
Schmid, einen Abschiedsbrief an seine Gattin Stephanie und Tochter
Gertrude nach Wien.
"Ich will Dir noch mitteilen, wie das Ganze kam" schrieb
der 42jährige Schmid, der am 13. April 1942 hingerichtet wurde.
"Hier waren sehr viele Juden, die vom litauischen Militär
zusammengetrieben und auf einer Wiese außerhalb der Stadt
erschossen wurden, immer so 2.000 bis 3.000 Menschen. Die Kinder
haben sie auf dem Weg gleich an die Bäume angeschlagen. Kannst
Dir ja denken. Ich mußte was ich nicht wollte, die Versprengtenstelle
übernehmen, wo 140 Juden arbeiteten. Die baten mich, ich soll
sie von hier wegbringen ... Da ließ ich mich überreden.
Du weißt ja, wie mir ist mit meinem weichen Herzen. Ich konnte
nicht denken, ich half ihnen ... ich habe nur als Mensch gehandelt
und wollte ja niemanden weh tun.
Wenn Ihr, meine Lieben, das Schreiben in Euren Händen habt,
dann bin ich nicht mehr auf Erden. Werde Euch auch nicht mehr schreiben
können, aber seid sicher, daß wir uns wiedersehen in
einer besseren Welt, bei unserem lieben Gott..."
In diesem letzten Brief versuchte Schmid das Motiv für seine
Tat der Menschenrettung im Ghetto Wilna zu erklären. Schmid
erklärte vor dem deutschen Kriegsgericht: "Ich konnte
nicht anders, als diesen Menschen helfen, obwohl es Juden waren.
Auch Juden sind Menschen.."
Im Juni 1941 wurde Litauen von der deutschen Wehrmacht besetzt.
Bald nach dem Einmarsch der Deutschen, wurden Juden in Wilna aus
den Häusern geholt und auf den Straßen von Polen und
Litauern, auch von deutschen Wehrmachtsangehörigen, angegriffen,
geschlagen und getötet. Nach diesen Pogromen sahen die Juden
Wilnas in der Errichtung eines Ghettos, das unter jüdischer
Selbstverwaltung stehen sollte, geradezu eine Erlösung. Nach
ihrer Aussiedlung aus dem Ghetto wurden jedoch die Verfolgungen
fortgesetzt, nicht mehr wahllos, sondern systematisch. Täglich
wurden Juden aus dem Ghetto geholt, sie kamen nie mehr zurück.
Einer der Ghettobewohner war der aus der Slowakei bei Preßburg
stammende Hermann Adler, der im Oktober 1941 im Ghetto die Wiener
Opernsängerin Anita Distler heiratete. Beide waren Mitglieder
der chaluzischen Bewegung Dror, des jüdischen Hilfskomitees
und der jüdischen Widerstandsbewegung im Ghetto.
Die chaluzische (zionistische Pioniere) Bewegung Dror im Ghetto
war ein Überrest vom Kibbuz Schachria, der in Wilna bis zu
Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bestand. Dieser war auch im Untergrund
während der sowjetischen Herrschaft bis zum Einmarsch der Deutschen
tätig gewesen. Ein Teil der Bewegung befand sich in Bialystock,
wo eine Zentrale der Bewegung gegründet wurde, von der aus
die chaluzischen Untergrundbewegung und Widerstandsbewegung organisiert
wurde.
Adler hatte in Wilna einflussreiche Freunde gewonnen, unter anderem
den katholischen Pfarrer Andres Gdowski vorm Kloster Ostra Brama.
Mit Hilfe der Kirchenbehörden gelang es Adler "arische"
Papiere Verstorbener zu bekommen, mit denen einige Juden aus dem
Ghetto von Wilna flüchten konnten. Die Widerstandsbewegung
im Ghetto suchte einen Fluchtweg nach Bialystock und Warschau. Zu
dieser Zeit fand in den Ghettos in Bialystock und Warschau noch
keine Aussiedlung statt.
Es war der Pfarrer Gdowski, der Adler riet, Kontakte mit dem Feldwebel
der Wehrmacht Anton Schmid aufzunehmen, mit dem Hinweis, dass dieser
als möglicher Helfer und Judenretter in Frage käme.
Scheid fungierte als Dienststellenleiter der "Deutschen Versprengtensammelstelle
Wilna", deren Aufgabe es war, verstreute und von ihren Einheiten
abgeschnittene deutsche Soldaten aufzusammeln, sie in ihre Einheiten
zurückzuholen oder neue Einheiten zu bilden.
Es fiel Adler und seiner Gattin auf, dass Feldwebel Schmid in seiner
Schreibstube ein jüdisches Mädchen namens Luisa Emaitisaite
beschäftigte, der er - wie sie erzählte - "arische"
Papiere verschafft hatte. Schmid hielt auch ein anderes jüdisches
Mädchen, die sich Maria nannte, in seiner Sammelstelle versteckt,
Adler erfuhr auch, dass der Angestellte Schmids, Gefreiter Huppert,
ein Jude sei, der vorher Salinger hieß.
Diese Tatsachen ermutigten Adler und seine Frau Kontakte mit Feldwebel
Schmid aufzunehmen. Nachdem dieser ihr Vertrauen gewonnen hatte,
begannen sie mit ihm vorsichtig Gespräche über seine eventuelle
Beteiligung an einer Judenrettung aus dem Ghetto zu führen.
Schmid, der die Leiden der Juden im Ghetto und die ihnen drohende
Lebensgefahr aus der Nähe verfolgte, erklärte sich aus
humanitären Gründen bereit, Rettungsaktionen zu starten.
Adler bezeichnete ihn als einen Mensch, der sich nicht fürchtete,
seine Abscheu vor dem Naziregime öffentlich zu äußern
und oft erklärte: "Ich bin kein Deutscher, ich bin Österreicher."
Er sei zumeist gutmütig und freundlich gewesen, ein Mann mit
Herz, Gefühl und Mitleid, ein Nonkonformist, etwas naiv und
unvorsichtig.
Anton Schmid wurde am 9. Jänner 1900 in Wien geboren. Er war
gelernter Installateur und hatte im 20. Wiener Bezirk ein Radiogeschäft,
bevor er nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen
wurde.
Seine Versprengtensammelstelle in Wilna bestand aus drei Gebäuden,
ein Haus nahe der Bahnstation und zwei nahe liegenden Gebäuden
in der Kolejowastraße 15. Diese waren Werkstätten für
Tapezierer, Schneider, Schuster und Schlosser.
Nachdem sich Adler und seine Frau von der Hilfsbereitschaft Schmids
überzeugt hatten, brachten sie ihn mit Freunden der chaluzischen
Gruppen und der Widerstandsbewegung im Ghetto, Mordechai Tennenbaum,
Tamar Schneidermann und Lonka Kotzebrozka in Verbindung. Dabei mussten
sie äußerste Vorsicht walten lassen, da man immer damit
rechnen musste, dass man Schmid beobachtete. Im Verlauf der Kontakte
wurden Pläne erörtert, wie man von Aussiedlungen gefährdete
Juden aus dem Ghetto retten und Verbindungen mit den Untergrundbewegungen
in Bialystock und Warschau aufnehmen könnte.
Die Lage im Ghetto wurde immer schlimmer. Die Deutschen führten
mehrere Aktionen, Selektionen und Aussiedlungen durch. Die Ausgesiedelten
wurden ins Lokischki-Gefängnis in Wilna und ins Ponari-Lager
bei Wilna gebracht, wo Massenerschießungen stattfanden.
Schmid erklärte sich bereit, sein Leben für die Rettung
von Juden aus dem Ghetto einzusetzen. Das Hilfskomitee im Ghetto
bereitete Listen von im Ghetto Gefährdeten nach einem bestimmten
Schlüssel vor, an deren Rettung es besonders interessiert war.
Schmid beschäftigte sie in seinen Werkstätten als Zwangsarbeiter,
versteckte viele von ihnen in seiner Versprengtensammelstelle, indem
er drei Zimmer von den übrigen Innenräumen abriegelte.
Er beschaffte für sie Arbeitsbewilligungen und versorgte sie
auch mit Lebensmittel. Um die Not der hungernden Bewohner des Ghetto
zu lindern, beauftragte er einige bei ihm arbeitenden Ghettobewohner
Lebensmittel ins Ghetto zu schmuggeln. Manchmal begleitete er diese
Arbeiter bis zum Eingang ins Ghetto, um auf diesem Weg zu verhindern,
dass sie von den Ghettoposten untersucht und ihnen die versteckten
Lebensmittel abgenommen werden.
Das Hauptziel der Untergrundbewegung im Ghetto Wilna war, aus dem
Ghetto heraus zu kommen und nach Bialystock zu gelangen. Hier gab
es Textilfabriken, die Uniformen für die Wehrmacht herstellten,
dabei sollten Juden nach Grodno, Woronow und Lida gebracht werden.
Schmid hatte einen Lastwagen und besaß Transportbewilligungen.
Schmid war auch hier aktiv. Er verfrachtete Juden in seinem Transportwagen
und begleitete sie auch oft bis nach Lida. Er erklärte den
Straßenkontrollen, dass die sich in seinem Lastwagen befindenden
Juden zum Arbeitseinsatz in Bialystock bestimmt seien.
Im Herbst 1941 fanden die drei großen Aussiedlungsaktionen
im Ghetto Wilna statt - am 24. Oktober, zwischen 3. und 5. November
und am 20. und 21. Dezember. Schmid bekam Informationen über
die bevorstehenden Aktionen und ließ die Ghettobewohner durch
seine Werkstättenarbeiter warnen. Vor den Aktionen verstärkte
er seine Tätigkeit der Judenrettung. Er versteckte von den
Deutschen gesuchte Ghettobewohner in den Kellern seiner Werkstätten,
damit sie von der Aussiedlung verschont blieben. Er scheute auch
nicht davor zurück, einige Male ins Lokischki-Gefängnis
zu fahren, um Juden, die dort festgehalten und gefoltert wurden,
zu befreien, in dem er sie zu "lebenswichtigen Arbeiten"
in seinen Werkstätten erklärte. Schmid nahm vom Hilfskomitee
nur Geld für die Versorgung der bei ihm versteckten Juden,
Bestechungsgelder für Deutsche und Grenzkontrolleure und Transportausgaben.
Im Oktober 1941 beschlossen die Deutschen, an sämtliche Ghettobewohnen
Identitätsausweise zu verteilen. Dabei wurden sie in zwei Teile
geteilt. Einer von ihnen enthielt weiße Arbeitsscheine, deren
Besitzer bei Aktionen ins Todeslager von Ponari geschickt wunder,
andere gelbe Facharbeiterausweise, die ihnen vorläufige Schonung
von Aussiedlungen zusicherte. Schmid machte weitgehenden Gebrauch
von seiner Autorität, möglichst viele Ghettobewohner mit
gelben Ausweisen ausstatten zu lassen, damit sie in seinen Werkstätten
arbeiten könnten. Er verschaffte auch solchen, die nicht arbeiteten,
gelbe Ausweise. Damit konnten auch ihre Familienmitglieder vor der
Aussiedlung gerettet werden. Einige von ihnen, die im Besitz gelber
Ausweise im Ghetto bleiben durften, brachte er auf Ansuchen des
Hilfskomitees und der Widerstandsbewegung in seinem Lastkraftwagen,
Brennholz führend, in die Stadt Lida, die zur Bezirk Weißrussland
gehörte und in der es zur Zeit noch kein Ghetto gab.
Die Beziehungen zwischen der Widerstandsbewegung im Ghetto und Schmid
wurden immer enger. Tennenbaum schildert Schmials Mensch, der seine
Rettungsdienste trotz der ihm ständig drohenden Gefahr, von
den Deutschen gefasst zu werden, mit guter Willen und Eifer durchführte.
Schmid hatte sogar einige Wort Jiddisch und Hebräisch gelernt,
die er in Gesprächen mit den Führern der Widerstandsbewegung
benutzte.
Die Führer wagten es mit der Zeit sogar, Schmid in seiner Wohnung
zu besuchen, um Rettungsaktionen zu planen und blieben oft einige
Tage bei ihm versteckt, bevor sie ins Ghetto zurückkehrten
Dabei waren sie immer darauf bedacht, ihre Wege außerhalb
de Ghettos zu tarnen, da sie befürchteten, dass Schmid beschattet
und verraten werden könnte, was den sicheren Tod für ihn
und sie bedeutet hätte.
Die größte Heldentat verrichtete Schmid im Dezember 1941.
Die Widerstandsbewegung beschloss, eine Delegation nach Warschau
zu entsenden, um einen gemeinsamen Ghettoaufstand zu erörtern
und zu organisieren. Schmid zögerte nicht, diese Aufgabe auf
sich zu nehmen. Er führte in seinem Lastkraftwagen die als
polnische Christen getarnte Delegation durch mehrere deutsche Kontrollen.
Das Treffen der Delegationen in Warschau, die aus Vertretern der
verschiedenen in den Ghettos tätigen chaluzischen Untergrundbewegungen
bestand, fand in der zionistischen Jugendarmenküche in der
Lesznastraße statt. Die von Schmid aus dem Ghetto in Wilna
herausgeschmuggelte Delegation berichtete über die kritische
Situation im Ghetto und die Massenerschießungen im Todeslager
von Ponari. Sämtliche Delegationen waren der Ansicht, dass
der Zeitpunkt fair einen gemeinsamen Ghettoaufstand gekommen sei,
bevor die Deutschen alle Juden vernichten würden. Sie betonten
die Notwendigkeit der Bestimmung eines gemeinsamen Aufstandsplanes,
dessen Durchführung von den Führern im Ghetto Warschau
bestimmt und angeordnet werden sollte. Dieser Vorschlag wurde nach
mehreren Sitzungen und Beratungen der verschiedenen Delegationen
angenommen. Inzwischen sollten die Vorbereitungen für den Aufstand
in den verschiedenen Ghettos anlaufen.
Tennenbaum berichtete auch über die Tätigkeit Schmids,
den er als aufrichtigen Judenhelfer bezeichnete. Er gab jedoch der
Befürchtung Ausdruck, dass bereits zu viele von der Tätigkeit
Schmids Kenntnis hätten, was Schmid und die Widerstandsbewegung
gefährden könnte.
Führer der jüdischen Widerstandsbewegung im Ghetto schliefen
oft in seinem Haus, wenn Gefahr bestand, dass sie bei ihrer Rückkehr
ins Ghetto verhaftet und in das Todeslager Ponari geschickt werden
könnten. Während der deutschen Aktionen im Ghetto verstärkte
Schmid sein Risiko und seine Tätigkeit, um so viele Juden wie
möglich retten zu können. Er vergrößerte die
Zahl der Ghettobewohner, die in seinen Werkstätten arbeiteten.
Diese berichteten im Ghetto, wie gut er sie behandle, obwohl sie
als jüdische Zwangsarbeiter galten. Er schmuggelte immer mehr
Juden aus Wilna nach Lida und Grodno, wobei er immer zwei bis fünf
in seinem Lastkraftwagen mitnahm. Oft wurden Juden auf dem Weg zu
den deutschen Werkstätten von Litauern gefaßt und ins
LokischkiGefängnis gebracht. Schmid gelang es, viele von ihnen
zu befreien,indem er sie als für ihn fehlende Arbeiter für
den deutschen Kriegsaufwand bezeichnete. Er erklärte einmal
seinen jüdischen Freunden: "Wenn ich die Wahl hätte,
mein Leben als Mörder fortzusetzen oder als Menschenretter
sterben zu müssen, würde ich den Tod wählen."
Als die Lage im Ghetto immer gefährlicher wurde, beschloss
das Hilfskomitee einen bewaffneten jüdischen Widerstand in
Bialystok und Warschau vorzuschlagen und zu organisieren. Am 31.
Dezember 1941 hatten sich Führer der Widerstandsbewegung im
Haus von Schmid versammelt. Es sollte eine Silvesterfeier sein.
Man trank zum Wohl des neuen Jahres, ging jedoch bald zur Erörterung
von Plänen für einen Ghettoaufstand in Warschau über.
Laut Zeugenberichten waren Mordechai Tennenbaum, Tamar Schneidermann,
Loaka Kotzebrozka, ein im Ghetto lebender Wiener namens Fuchs, Herrmann
Adler und seine Frau Anita, Luisa, die bei Schmid arbeitete und
andere anwesend.
Schmid hielt eine kurze Rede, in der er seinen Widerstand gegen
das Hitlerregime zum Ausdruck brachte. Bei dieser Gelegenheit wurde
der Warschauer Ghettoaufstand mit Hilfe einer Karte des Ghettos
projektiert. Die Anwesenden berichteten, dass Schmid an der Beratung
teilnahm und sogar Ratschläge erteilte, wobei er einige Möglichkeiten
erwähnte und von anderen abriet.
Die Rettungsaktionen Schmids sollten im Ghetto Wilna so geheim wie
möglich bleiben. Es gingen jedoch immer mehr Gerüchte
über einen deutschen Wehrmachtssoldaten um, der sich solchen
Aktionen widmet. Er wurde zu einer Quelle der Hoffnung und einer
Legende.
Die Deutschen verdächtigten Adler und seine Frau der Partisanentätigkeit.
Als diese erfuhren, dass ihnen eine Deportation ins Todeslager Ponari
bevorstand, flüchteten sie aus dem Ghetto in Schmids Wohnung
im Haus der Versprengtensammelstelle. Schmid hielt sie im Keller
des Hauses versteckt.
Es steht bis heute nicht fest, wie die Deutschen auf seine Spur
kamen. Zu viele hatten von seinen Rettungsaktionen gewusst. Es könnte
sein, dass ihn einer von ihnen denunzierte. Es liegt auch ein Bericht
vor, laut dem die Deutschen unter den Bewohnern des Ghettos von
Lida einige Juden fanden, die aus dem Ghetto von Wilna gekommen
waren. Sie eröffneten eine Untersuchung, wie sie hierher gelangt
waren und fanden, daß es Feldwebel Schmid war, der ihnen dazu
verholfen hatte.
Schmid muss irgendwie erfahren haben, dass die Deutschen auf seiner
Spur waren. Eines Tages im Februar 1942 verschwand er aus seiner
Wohnung. Als die deutsche Feldgendarmerie eine Hausdurchsuchung
durchführte, fand sie viel Geld und viele gefälschte "arische"
Papiere.
Schmid wurde nach einigen Tagen gefasst und ins LokischkiGefängnis
gebracht, aus dem er mehrere Juden gerettet hatte. Während
der Hausdurchsuchung befanden sich Adler und seine Frau, deren Überleben
sie Schmid zu verdanken hatten, im Keller des Hauses. Die Deutschen
entdeckten sie nicht. Gefreiter Huppert, der eigentlich Salinger
hieß, verständigte sie über Schmids Verhaftung.
Am folgenden Tag flüchteten Adler und seine Frau durch einen
Geheimausgang aus dem Haus ins Ghetto zurück. Zwei Wochen später
fuhren sie mit von der chaluzischen Untergrundbewegung hergestellten
"arischen" Papieren nach Bialystock, von wo sie schließlich
nach Warschau gelangten.
Im April 1942 gestand Schmid vor einem deutschen Kriegsgericht in
Wilna seine Taten zur Rettung von Juden aus dem Ghetto Wilna. Er
wurde wegen Hochverrat und Judenrettung zum Tode verurteilt. Schmid
wurde kurz darauf im Lokischki-Gefängnis erschossen. Sein Grab
befindet sich auf dem Soldatenfriedhof 1914-1918 im Bezirk Antotol
in Wilna.
Es steht nicht genau fest, wie viele Juden Schmid gerettet hat.
Überlebende aus dem Ghetto Wilna, die seine Rettungsaktionen
verfolgten, schätzen ihre Zahl auf 300 bis 400.
1967 überreichte der israelische Botschafter in Wien Dr. Michael
Simon bei einer Zeremonie in der israelischen Botschaft die Yad
Vashem- Medaille der "Gerechten der Völker" mit einem
Ehrendiplom an die in Wien lebende Witwe Schmids.
Zu einem späteren Zeitpunkt fand in der Allee der Gerechten
der Gedenkstätte für die sechs Millionen jüdischen
Naziopfer, Yad Vashem in Jerusalem, eine Baumpflanzungszeremonie
zu Ehren Anton Schmids posthum in Anwesenheit von ehemaligen Ghettobewohnern
Wilnas statt, deren Leben Schmid gerettet hatte.
Auf dem Grabstein Schmids stehen zwei Worte "Anton Schmid".
Zwei Worte hinter denen ein Mensch, Gerechter, Held und eine Legende
stehen. Die Legende eines Menschen, der in einer gnadenlosen Zeit
Gnade und Menschlichkeit walten ließ.
Die Gerechten Österreichs
Eine Dokumentation der Menschlichkeit
von Mosche Meisels
Umschlaggestaltung von
Arje Weiss (einer der Geretteten)
Herausgegeben von der Österreichischen Botschaft in Tel Aviv
1996, S. 79-87.
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