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Zeitliche Auslastung:
mind. 42 Stunden
Dienstzeiten: Montag bis Freitag von 8:30 Uhr bis 17:30 Uhr
Tätigkeiten:
Januar 2001
Ich habe meinen Dienst am Museum of Jewish Heritage - A Living
Memorial to the Holocaust, New York City, am 31.Dezember 2000
angetreten. Im Museum wurde ich herzlich von Mrs. Polly Weiss
begrüsst und nach einem ausführlichen Einführungsgespräch
meinen Vorgesetzten und allen Mitarbeitern vorgestellt. Anschliessend
wurde mir ein eigenes Buero mit Computer in der Collections
& Exhibitions - Abteilung zugewiesen, in deren Kompetenz
sich der Grossteil meines Aufgabengebietes befindet.
In den ersten Tagen setzte ich mich vor allem mit der permanenten
Ausstellung des Museums auseinander, um mich mit dieser vertraut
zu machen. Ich war sehr beeindruckt von der Art, wie dem Besucher
die juedische Kultur und Geschichte und die Ereignisse des
Holocaust naehergebracht werden. Ich konnte bereits in den
ersten Tagen meines Auslandsdienstes feststellen, dass das
Museum wirklich versucht, ein "Living Memorial To The
Holocaust" zu sein. Es ist kein Museum der herkoemmlichen
Art, das seine Ausstellungsobjekte als Kunstobjekte betrachtet,
sondern es versucht, durch die Objekte eine Geschichte zu
erzaehlen, an deren Ende wir noch nicht angelangt sind.
Weiters nahm ich Anfang Jänner an mehreren Vorlesungen
im Rahmen eines zweiwoechigen Education-Programmes fuer College-Studenten
der USA teil. Dieses Programm, das vom Museum of Jewish Heritage
finanziert und durchgeführt wird, findet zwei Mal pro
Jahr statt, unterweist diese Stundenten in Museumspaedagogik
und bringt ihnen die Ausstellung des Museums naeher. Als Langzeitprojekt
geben diese Studenten dann ihr Wissen an Studienkollegen und
Schüler weiter und organisieren auch ihre eigenen Führungen
am Museum.
Innerhalb kurzer Zeit wurde ich vollständig in den Museumsbetrieb
eingegliedert und nach einigen Gesprächen bzw. Vorträgen
über meinen Gedenkdienst auch als vollwertiges Mitglied
im Museum aufgenommen. Meine ArbeitskollegInnen haben sich
vor allem in dieser Anfangsphase sehr hilfsbereit gezeigt
und versucht, sowohl alle museumsbezogenen Fragen zu klären
als mich auch bei privaten Angelegenheiten zu unterstützen
(Wohnungssuche, etc.).
Nachdem ich mich mit dem Museum und seinen Einrichtungen
vertraut gemacht hatte, begann Frau Esther Brumberg mit meiner
spezifischen Einschulung in alle Bereiche des Collections
& Exhibitions - Departments (Instandhaltung und Verbesserung
der permanenten Ausstellung; Arbeit an Sonderausstellungen;
Archivierung, Restauration und Dokumentation von Dokumenten;
etc.).
Im Jänner wurde ich vor allem mit folgenden Aufgaben
am Museum of Jewish Heritage betraut:
* Uebersetzung dt. Dokumente ins Englische:
v Dokumente zum Thema <Hitler Youth> und ca. 60 Seiten
Unterrichtsmaterialien, die vor dem 2. Weltkrieg verwendet
wurden.
* Nachforschungsarbeiten am Leo Baeck Institut
z.B. musste ich ausfindig machen, wo und in welchem Kontext
nicht näher dokumentierte Zeitungsartikel und Photographien
erschienen sind.
* 1 ½ Wochen verbrachte ich mit Kollegen im Lager
des Museum, wo ich bei der Umsiedlung eines Teils der Objekte
in einen neuen Lagerraum helfen konnte. Die Arbeit umfasste
die neue Anordnung von nicht ausgestellten Objekten, deren
Katalogisierung und digitale Erfassung. So war es mir moeglich,
einen besseren Einblick in die Sammlung und eine bessere Vorstellung
von deren Umfang, Lagerung und Sicherheit zu bekommen.
* Ausserdem war ich behilflich bei der Erfassung von Videokassetten,
welche ich in den folgenden Monaten anschaute und darüber
detailierte Inhaltsangaben verfasste.
* Weiters stellt die Fusion des Museums mit dem Bronx High-School
of Science - Museum (eine der besten öffentlichen Schulen
in New York) ein wichtiges längerfristiges Projekt dar,
das noch am Anfang seiner Entwicklung steht. Die Sammlung
dieses High-School-Museums soll in die Sammlung des Museums
of Jewish Heritage integriert, katalogisiert und archiviert
werden. Weiters soll eine bestimmte Auswahl an Objekten und
Dokumenten auch in dieser High-School ausgestellt werden.
Bis jetzt war ich mit einer genaueren und übersichtlicheren
Auflistung der Objekte und Dokumente beschäftigt. Diese
sollen nun nach Besichtigung des Museums genauer erfasst,
beschrieben, konserviert und gekennzeichnet werden.
* Mit einem anderen Intern am Museum habe ich die Aufgabe
übernommen, die ausgestellten Objekte des Museums mit
dem Inventarbuch zu vergleichen und dieses gegebenenfalls
zu vervollständigen bzw. zu korrigieren. Durch diese
Arbeit soll ich noch weiter mit der Museums-Kollektion vertraut
werden.
In den ersten Tagen nach meinem Dienstantritt setzte ich
mich mit der österreichischen Vertretungsbehörde
in New York City in Verbindung. Darüber hinaus habe ich
auch das österreichische Kulturinstitut über meine
Arbeit informiert.
Meine Vorgesetzten am Museum of Jewish Heritage betonten mehrmals
in persönlichen Gesprächen wie wichtig und sinnvoll
unser Projekt 'Gedenkdienst' sei und dass wir damit einen
wichtigen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung leisten.
Februar 2001
1) Bronx Science Projekt
Treffen mit den Verantwortlichen und den Schülern der
Bronx High School of Science. Es wurden wichtige Aspekte der
weiteren Vorgehensweise besprochen und mit der Inventarisierung
und Katalogisierung der Dokumente fortgefahren
2) Permanente Ausstellung:
* Rotation Meeting:
Übersetzungen und Ausarbeitungen für die wöchentlichen,
museumsinternen 'Rotation Meetings', bei denen der notwendige
Wechsel von Ausstellungsstücken besprochen wird und neue
Objekte bzw. Dokumente von den einzelnen Mitarbeitern vorgestellt
werden.
3) Sonderausstellungen
* Video-Kollektion
Arbeiten an der Video-Kollektion des Museums: Zusammenfassen
von Interviews Holocaust Überlebender - hauptsächlich
zum Thema 'Widerstandsgruppen' für eine Sonderausstellung.
4) Bücherei
Meine Hauptaufgabe umfasste im Februar vor allem Arbeiten
in der Bibliothek des Museums, wo ich mit dem Projekt beauftragt
wurde, die alte Bücher-Kollektion soweit zu bearbeiten,
dass sie mit der neuen und grösseren Kollektion verbunden
und anschliessend digitalisiert und mit Barcodes versehen
werden kann.
Weiters habe ich alte, sehr brüchige Zeitschriften archiviert
und beschriftet und neue Bücher von Stiftungen zur digitalen
Datenbank hinzugefügt.
5) PR
Unser PR-Department interviewte mich über meiner Arbeit
hier am Museum und das österreichische Gedenkdienst-Programm.
Der Bericht wird im Mai im offiziellen Newsletter des Museums,
"18 First Place" veröffentlicht werden.
Ich bin nun vollständig als Mitarbeiter des Museums
integriert. Vor allem die Übersetzungsarbeiten stellen
für mich eine tolle Möglichkeit dar, anhand von
Originaldokumenten, mehr über unsere jüngste Vergangenheit
zu erfahren. Ich besuche viele Vorträge und habe dadurch
auch manchmal die Möglichkeit, verschiedene Leute in
Diskussionen oder privaten Gesprächen über die historische
und aktuelle politische Situation in Österreich zu informieren.
Eine korrekte Darstellung der Ereignisse ist meines Achtens
vor allem durch die aktuelle Präsenz Österreichs
in den Medien von grosser Bedeutung.
März 2001
1) Bronx Science Projekt
Weitere Besuche des Bronx High School of Science - Museums
und Teilnahme an Führungen der Studenten durch das Museum
of Jewish Heritage.
2) Permanente Ausstellung:
* Ausarbeitung einer Preistabelle für etwaige Photokopien
oder Veröffentlichungs-rechte, die das Museum an Dritte
verkauft.
* Eine der wichtigsten Aufgaben, mit denen ich hier am Museum
betraut werde, stellt die Übersetzung von deutschen Originaldokumenten
ins Englische dar, da ich der einzige Mitarbeiter mit deutscher
Muttersprache bin (z.B. ein Brief an Göring, Briefverkehr
zw. Inhaftierten der "Isle of Man" und ihren Familien,
de-Nazification Dokumente, etc.)
3) Sonderausstellungen:
* Ich wurde mit dem sogenannten Projekt "Pfeffer"
betraut, das vor allem die Archivierung und Dokumentation
von Photographien der Sammlung von Frau Pfeffer beinhaltet.
* Erstellung und Bearbeitung einer Einladungsliste für
die Sonderausstellung "Citizens Betrayed"
* Zusammenfassung von Video-Interviews zum Thema "Widerstandsgruppen"
4) Bücherei:
* Fortsetzung des Projektes zur Zusammenlegung der beiden
Kollektionen des Museums und zur anschliessenden Eintragung
aller Bücher in eine gemeinsame Datenbank.
* Weitere Eintragung neuer Bücher, die vom Museum erworben
wurden, in die Datenbank
April 2001
1) Bronx Science Projekt
In den Sommermonaten werden zwei Schüler der Bronx High
School of Science am Museum einen Ferialjob erhalten, wodurch
eine bessere Zusammenarbeit mit den Schülern und der
Schule möglich sein wird.
2) Permanente Ausstellung:
* Übersetzungen und Ausarbeitungen für die wöchentlichen,
museumsinternen 'Rotation Meetings'
* Weiters wurde mir ein eigener Schaukasten zugeteilt, für
welchen ich verantwortlich sein werde. Es müssen die
Objekte und Dokumente aus Schutzmassnahmen (Licht, Staub)
ständig ausgewechselt und durch ähnliche Objekte/Dokumente
der Sammlung ersetzt werden.
3) Sonderausstellungen:
* Dieses Monat konzentrierte sich meine Übersetzungsarbeit
vorrangig auf Dokumente des Ringelblum-Archivs und Dokumente
die sich mit dem Ghetto-Aufstand in Warschau beschäftigen.
* Weiters übersetzte ich einen deutschsprachigen Katalog
einer Ringelblum-Archiv-Ausstellung und einen detailierten
Zeitplan der Ereignisse des Warschauer Ghettos.
* Übersetzung verschiedener anderer Dokumente
4) Bücherei:
* Abschliessung des Projektes zur Zusammenlegung der beiden
Kollektionen des Museums.
* Dieses Monat erhielt die Bücherei des Museums eine
neue Datenbank, wobei ich bei der Konvertierung der Daten
half.
* Weiters musste ich mich mit der neuen Ausstattung und den
erweiterten Funktionen der Datenbank vertraut machen und wurde
anschliessend bei grundlegenden Entscheidungen miteinbezogen.
5) Video-Kollektion:
Anfang April wurde ein neues Set unserer Video-Kollektion
geliefert. Ich erhielt die Aufgabe, zusammen mit einem anderen
Intern eine komplette Inventur sowohl des alten als auch des
neuen Sets zu machen. Es mussten alle Videokassetten erfasst,
aufgelistet und katalogisiert werden. Als weiterführendes
Projekt erstelle ich eine Datenbank, mit deren Hilfe Etiketten
für die einzelnen Videos angefertigt werden können.
Im April wurde auch ein Video aufgenommen, das vor allem
für Fundraising-Zwecke verwendet werden wird. Ich durfte
unter anderen als stummer Schauspieler an diesem Kurzfilm
teilnehmen. Das Video wird zum ersten Mal am Sonntag, den
29.April 2001 beim jährlichen 'Heritage Dinner' gezeigt,
das im Waldorf=Astoria stattfinden wird. Internationale Persönlichkeiten
wie Rupert Murdoch, Irving Schneider, Larry Silverstein oder
Arthur Siskind werden an diesem grössten Fundraising-event
des Museums teilnehmen.
Am Dienstag, den 24. April 2001 hatte ich die Möglichkeit,
vor drei verschieden fortgeschrittenen Deutschklassen an der
privaten Regis High School in Manhattan Vorträge über
meine Arbeit am Musem und das österreichische Schulsystem
zu halten und mich an Diskussionen über die momentane
politische, kulturelle und soziale Situation in Österreich
und über Themen wie Ausländerfeindlichkeit/Rassismus
in der Welt zu beteiligen. Das eröffnete mir einen guten
Einblick in die Gedankenwelt amerikanischer Jugendlicher und
bot mir auch die Möglichkeit, meine Erfahrungen mit den
Schülern zu teilen.
Trotz einiger Schwierigkeiten, denen man in einer Grosstadt
wie New York City begegnet (Wohnungssuche, Lebenserhaltungskosten,
hoher Dollarkurs, Anpassung an ein neues soziales Umfeld,
Kriminalität, etc.) und der teilweise sehr anstrengenden
und wegen der ständigen Beschäftigung mit einem
so schrecklichen Thema auch deprimierenden Arbeit am Museum
of Jewish Heritage, bin ich nun von der Richtigkeit meiner
Entscheidung, meinen Auslandsdienst am Museum of Jewish Heritage
zu verrichten, überzeugt.
Viele Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, haben mir
mitgeteilt, wie wichtig und sinnvoll meine Arbeit im Rahmen
des österreichischen Gedenkdienstes ist und wie sehr
sie unser Projekt schätzen.
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