Bericht(e) von Philipp Naderer
Oktober 1998 - September 1999

Oktober 1998 | November 1998 | Dezember 1998 | Januar 1999 | Februar 1999 | März 1999 | April 1999 | Mai 1999 | Juni 1999 | Juli 1999 | September 1999

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden pro Woche; davon 3 Tage à 8 Std. in der Bibliothek des Simon Wiesenthal Center, 1 Tag à 8 Std. im Museum of Tolerance , 1 Tag à 8 Std. im Multimedia Learning Center.

Tätigkeiten:

Oktober 1998:

Gegen Ende Oktober legte Mrs. Klein mit Mrs. Burden, Verantwortliche für die Führungen im Museum, und Mrs. Garfinkle, Leiterin des Multimedia Learning Centers, die Einteilung des Wochenplanes von Sydney Ogidan und mir fest, wobei wir uns bei unserem Dienst im Museum, im Archiv und in der Bibliothek abwechseln. Ich arbeite jede Woche am Montag, Mittwoch und Freitag im Archiv und der Bibliothek, Dienstags bin ich im Museum für die Holocaust- und die Toleranzsektion eingeteilt und Donnerstags arbeite ich im Multimedia Learning Center (MLC). Am Sonntag, den 18.10., fand der "Once upon a world book award" statt, bei welchem das beste Kinderbuch für Toleranz ausgezeichnet wurde, dabei betreute ich die Bibliothek.

Des weiteren übersetzte ich einen Brief von dem Stellvertretenden Reichskanzler des Dritten Reiches, Von Papen, bearbeitete eine Anfrage der University of Chicago und organisierte das Bucharchiv um. In diesem Monat setzte ich auch meine Arbeit an der Kaddish Kollektion fort. Ich begann mit der elektronischen Erfassung der Daten und der Archivierung der Fotos.

Am 4.11. kam um 11:00 Uhr Hr. Johannes Segieth, der das Museum im Konzentrationslager Dachau neugestalten soll und auch eine Modernisierung und Vercomputerisierung plant. Er holte sich dafür Ideen und Informationen im Simon Wiesenthal Center. Ich war Dolmetscher für Mrs. Klein und ihn, und erklärte ihm auch die Organisation des Centers. Er sah sich die Bibliothek und die Klassenräume von Tools for Tolerance an und danach fand ein Museumsbesuch statt, wobei ich zum Teil die Führung leitete.

Das Multimedia Learning Center besteht aus einem Ausstellungsraum und dem Computerbereich. Ich begleitete 2 Führungen des Programmes: "Steps to Tolerance", bei welchem Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren zum ersten Mal von den Ereignissen in Europa vor und während des Zweiten Weltkrieges hören. Diese Führungen sollen ihnen natürlich die Schrecklichkeiten der damaligen Zeit klarmachen, aber auch auf ihr Alter Rücksicht nehmen. Die Kinder sollen dabei lernen, beim Beitritt zu Vereinen nicht voreilig zu sein und Informationen über den Verein einzuholen. Außerdem soll diese Tour das Toleranzempfinden der Kinder erwecken beziehungsweise fördern. Nach einer kurzen Einschulungsphase konnte ich einen Teil dieser Führungen übernehmen. Außerdem begann ich mit den regulären Führungen im MLC, wobei ich mit einer deutschsprachigen Führung beginnen konnte, da eine Salzburger Schulklasse das Museum besuchte.

Als Fortsetzung der Ausbildungsphase konnte ich den Erzählungen von Fr. Glasser, einer Holocaust-Überlebenden, zuhören. Wir sahen auch drei Filme, unter anderem die Oskar-gekrönte, aus der Produktion des Simon Wiesenthal Center stammende Dokumentation "The Long Way Home". Am 2. November fand die Jubiläumsfeier des 20-jährigen Bestehens der Bibliothek des Simon Wiesenthal Centers statt, an welcher auch Sydney und ich teilnehmen durften.

November 1998:

Nachdem ich zwei Führungen durch das Museum begleitet hatte, und mir auch der organisatorische Ablauf die Koordination der Führungen im Museum betreffend erklärt worden war, war es dann soweit. Ich durfte eine amerikanische Schulklasse durch das Museum führen. Eine Führung dauert durchschnittlich drei Stunden, wobei die Führung durch die Toleranz- und die Holocaustabteilung jeweils ungefähr 1 Stunde und im Multimedia Learning Center etwa 30 Minuten in Anspruch nimmt.

Des weiteren wurde ich in der Betreuung jenes Publikums eingeschult, welches das Museum ohne gebuchte Führung besucht. Aufgrund dessen habe ich auch diese Museumsbesucher in allen verschiedenen Abteilungen des Museums geführt. Ich lernte die verschiedenen Ausstellungsstücke zu bedienen, auf welche Weise Absprache mit den Tourguides und den Managern zu halten ist und wie die zeitliche Planung des Ablaufes einer Führung erfolgt.

Außerdem arbeitete ich an der Kollektion von George Kaddish weiter. Ich arbeite jetzt mit Catherine Gong gemeinsam an dieser Fotosammlung. Frau Gong konnte Herrn Kaddish noch kennenlernen, und hat sich ganz der Identifizierung und Erhaltung seiner Sammlung gewidmet. Sie hat sich auch mit weiteren Überlebenden des Ghettos von Kauen getroffen und versucht, mit Ihnen gemeinsam Fotografien zu identifizieren. Frau Gong und ich koordinieren nun unsere Arbeit und konnten so in diesem Monat über 170 Fotografien identifizieren und auch bereits elektronisch erfassen.

Im Multimedia Learning Center (MLC) fanden während meiner Arbeitszeit zwei "Steps to Tolerance" Führungen statt. Ich betreute die beiden Kindergruppen gemeinsam mit meinen Kollegen bei ihrer Arbeit an den Computern, und ich leitete auch mehrere kleine Gruppen bei der Erforschung von verschiedenen Gegenständen der NS-Zeit mit dem Ziel, ihnen die Geschehnisse der damaligen Zeit näherzubringen. Ich betreute wieder Gruppen bei ihren Besuchen im MLC und übernahm auch regelmäßig Führungen im Ausstellungsraum. Die Durchführung von Einschulungen in der Benutzung des Computersystems und des Research-Rooms des MLC zählt mittlerweile auch zu meinen Aufgaben.

Mir wurden auch die diversen Aspekte der Textilien der Bosnierinnen, welche die Kunstwerke der Susret-Encounter Ausstellung angefertigt haben, erklärt. Daher konnte ich mehrmals in der Mittagszeit, als Vertretung von Herrn Oertl, der mit der Beaufsichtigung der Ausstellung betraut ist, diese Ausstellung betreuen.

Am 18. November fand in der Bibliothek ein "Tag der offenen Tür" für Voluntäre und Tourguides des Simon Wiesenthal Centers und Museums of Tolerance statt. Bei dieser Veranstaltung wurde ich mit der Leitung der Besucher im Computerraum der Bibliothek betraut und konnte Interessierten die Benutzung des computerisierten Bücherkatalogs und der Enzyklopaedia Judaica-Datenbank erläutern.

Schließlich half ich bei den Vorbereitungen für die am 24. November stattgefundene Pressekonferenz, bei welcher ich auch als Zuschauer teilnehmen durfte.

Dezember 1998:

Auch in diesem Monat haben Frau Gong und ich an der Fotokollektion von George Kaddish weitergearbeitet. Wir haben neben der Identifizierung und elektronischen Erfassung der Fotografien auch den größten Teil der, von Herrn Kaddish selbst vorgenommenen, deutschen oder jiddischen Beschriftungen auf den Rückseiten der Fotos übersetzt bzw übersetzen lassen. Schließlich gaben wir auch die Übersetzungen in das Computerarchiv ein, und wurden am 31.12.1998 mit der Be- und Verarbeitung der gesamten Kaddish Fotokollektion des Simon Wiesenthal Centers fertig.

Der ursprüngliche Name von George Kaddish war Kadushin, als er vor dem 2. Weltkrieg noch in Litauen lebte. Nachdem er den Holocaust er- und überlebte, änderte er seinen Namen. Er benannte sich nach dem Hebräischen Totenlied zum Andenken an die Opfer des Holocausts. Daher gibt es auch verschiedene Schreibweisen seines Namens.

Frau Mor, Leiterin des Archivs, betraute mich mit der Bearbeitung mehrerer Anfragen. Darunter war die Anfrage von Yad Vashem, dem Museum in Israel, wobei Fotos über die Zerstörung von Synagogen und die Deportation von Juden für die Ablichtung in einem Buch, welches bald veröffentlicht werden soll, gesucht wurden. Ich erledigte auch Anfragen von Herrn Fodeo vom "Daily Bulletin" in Ontario und von der University Access Firma. Außerdem mußte ich einige Fotos mit der Hilfe von Büchern identifizieren.

Schließlich wurde mir aufgetragen, Nachforschungen über die Olympischen Spiele 1936 zu betreiben. Rabbi Marvin Hier, Leiter des Simon Wiesenthal Centers, wollte die Hintergründe für die Entscheidungen in Erfahrung bringen, die dazu führten, daß die Olympischen Spiele 1936 letztendlich in Berlin stattgefunden haben und das Amerikanische Team den angedrohten Boykott doch nicht verwirklicht hat.

Aus diesem Grund war ich bereits mehrere Male in der Ziffren Bibliothek, welche zur Amateur Athletic Foundation gehört und auf Sport spezialisiert ist. Dort sammelte ich Informationen über das Internationale und Amerikanische Olympische Komitee 1936, insbesondere deren Präsidenten Graf Henry Baillet-Latour und Avery Brundage, und auch über den deutschen Reichssportführer von Tschammer und Osten. Diese drei Personen waren die hauptsächlichen Entscheidungsträger und ausschlaggebend, daß die Olympischen Spiele damals so durchgeführt wurden.

Im Museum erledigte ich die regulären Aufgaben, wie Führungen in Holocaust- und Toleranzabteilung, Beaufsichtigen von den verschiedenen Bereichen im Museum und Betreuung der Kinder im "Steps to Tolerance" Programm. Zusätzlich wurde mir drei Mal die Ehre zuteil, neue Tourguides des Museums einzuschulen. Daher begleiteten sie mich zuerst bei der Führung einer Gruppe und anschließend konnte ich mit Ihnen einige Ausstellungsgegenstände besprechen und Ihnen Hinweise geben.

Für das Multimedia Learning Center (MLC) begann ich mit dem Erstellen einer Datei, die eine Auflistung aller Bildungsanstalten der Vereinigten Staaten enthalten soll, an welchen Videokonferenzen möglich sind. Das Museum entwickelte und verbessert ständig seine Videokonferenz Einrichtungen, um an genannten Anstalten Gespräche mit Holocaust Überlebenden via Videokonferenz zu ermöglichen.

Weiters half ich bei den Vorbereitungsarbeiten für eine Dokumentation über das Simon Wiesenthal Center, wobei ich auch gefilmt wurde, während ich an der Kaddish Kollektion arbeitete.

Vor Weihnachten durften Sydney und ich auch an der Weihnachts-/Hanukkah Feier des Simon Wiesenthal Centers teilnehmen.

Außerdem übersetzte ich ein Schreiben und führte Telefonate nach Österreich, die Vorbereitung und Geschenke für Herrn Wiesenthal anläßlich seines 90. Geburtstages betreffend.

Januar 1999:

Nachforschung über Avery Brundage, Übersetzungen, Kadisch Kollektion: 13 mal 8 Wochenstunden
Führungen und Betreuung von Stationen im Museum: 4 mal 8 Wochenstunden
Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center, "Steps to Tolerance"-Programme, neues "Tools for Teens"-Programm: 4 mal 8 Wochenstunden
Diesen Monat setzte ich meine Nachforschungen über die Olympischen Spiele 1936 und Avery Brundage fort. Aus diesem Grund war ich wieder mehrere Male in der Ziffren Bibliothek der Amateur Athletic Foundation. Ich sammelte weiteres Material über Avery Brundage, aber auch über Graf Henry Baillet-Latour, die Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und auch die Olympischen Spiele 1972, da Avery Brundage zu der Zeit Präsident des IOC war. Rabbi Hier und ich erarbeiteten teilweise gemeinsam, über welche Bereiche noch weitere Nachforschungen nötig sind.

Im Zusammenhang mit dieser Aufgabe wurde ich auch mit der teilweisen Übersetzung der Bücher "Olympia 1936" und "Hitler und die Jugend" betraut. Außerdem übersetzte ich auch einen Teil des "Struwwelpeters" für das "Tools for Tolerance" Programm.

George Kadish hat auch eine Kollektion von Fotos angefertigt, welche die Zustände außerhalb des Ghettos darstellen. Zum Teil hat er diese Fotografien selbst gemacht, teilweise aber auch anderen Fotografen abgekauft. Diese Fotosammlung wurde mir dieses Monat anvertraut und ich begann bereits auch diese Sammlung von George Kadish zu archivieren.

Die Archivistin des Simon Wiesenthal Centers, Fama Mor, fliegt am 16. Februar nach Israel und wird dort einen Überlebenden des Ghettos in Kauen treffen. Daher fertigte ich eine Sammlung ausgewählter Kadish Fotos an, damit Frau Mor diese dem Überlebenden von Kauen vorlegen kann.

Im Museum durfte ich wieder Führungen in der Holocaust- und Toleranzabteilung sowie im Multimedia Learning Center (MLC) übernehmen und auch stationär in bestimmten Bereichen Besucher betreuen. Außerdem lernte ich eine österreichische Journalistin kennen, welche an der UCLA studiert und einen Artikel über das Museum schreiben will. Ich erklärte ihr die Bereiche und Arbeiten im Museum und führte sie anschließend durch die Toleranzabteilung.

Des weiteren hatte ich die Aufgabe, Hr. Brand, Education Director des Holocaust Museums in Tampa Bay, Florida, und seinen Kollegen durch das Museum zu führen. Gelegentlich übernahm ich die Koordination von Gruppen im MLC und assistierte wieder bei mehreren "Steps to Tolerance"-Programmen.

Ich hatte insbesondere die Gelegenheit, bei der Entstehung und den ersten Schritten eines neuen Programmes mitzuwirken. Es handelt sich dabei um das Programm "Tools for Teens", das für 15- und 16-jährige Schüler konzipiert wurde. Das MLC hat dafür Programmpunkte zusammengestellt, welche bereits im Schulunterricht durchgearbeitet werden sollen. Der darauffolgende Museumsbesuch hat nach dieser Vorbereitung einen größeren Lerneffekt für die Schüler und er endet mit in einer einstündigen Gruppendiskussion mit geschultem Museumspersonal, wobei ich eine der ersten Diskussionen leiten durfte.

Am 9.Februar fand im Museum of Tolerance ein Tribut anläßlich des Todes von König Hussein von Jordanien statt, an welchem auch ich teilnahm.

Februar 1999:

Kadisch Kollektion, Übersetzungen, Subventionsantrag, Buchpräsentations-vorbereitungen: 12 mal 8 Wochenstunden
Führungen, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 4 mal 8 Wochenstunden
Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 4 mal 8 Wochenstunden
Zu Beginn dieses Monats stellte ich die Sammlung ausgewählter Kadisch Fotos für die Israel Reise von Fama Mor fertig. Sie konnte sich in Israel mit mehreren Überlebenden aus Kauen treffen und hat auch viele Informationen über die Fotografien gesammelt. Ich begann bereits mit der Aus- und Verwertung dieser Daten.

Ich arbeitete auch an der Kadisch Sammlung weiter und bearbeitete Aufnahmen von dem Ghetto Warschau und auch von "DP"-Lagern. "DP" steht für "Displaced Persons" und dieser Begriff umfaßt jene Personen, welche aus Konzentrationslager befreit wurden und weder jemanden hatten an den sie sich wenden konnten, noch wußten wohin sie gehen sollten.

Für die Nachforschungen bezüglich Avery Brundage fiel noch eine Übersetzung eines Zeitungsartikels über Baillet-Latour an.

Des weiteren übersetzte ich auch ein Flugblatt der Sozialistischen Partei Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, einen Brief einer Mutter an ihre Tochter aus dem Jahre 1936, Texte von Postkarten und Aufschriften auf Fotografien.

Außerdem betrieb ich auch Nachforschungen über den Ursprung einiger Fotonegative, welche teilweise die Invasion am D-Day dokumentieren.

Einen großen Teil meiner Zeit nahm die Bearbeitung eines Subventionsantrages in Anspruch, für welchen ich Daten über einige Kollektionen des Archivs zusammenstellen mußte.

Schließlich bereitete ich 2 Buchpräsentationen für "Tools for Tolerance"-Programme vor.

Im Multimedia Learning Center übernahm ich wie gewöhnlich Führungen von Gruppen, und auch die gelegentliche Koordination solcher Führungen. Zusätzlich erledigte ich auch organisatorische Arbeit für die Einteilung von Überlebenden des Holocausts, welche täglich im Museum ihre Erlebnisse mit den Besuchern teilen.

Natürlich führte ich wieder Gruppen durch Holocaust- und Toleranzabteilung und ich betreute Besucher in verschiedenen Bereichen des Museums. Zusätzlich übernahm ich auch Präsentationen für Besucher, welche nicht an einer Gruppenführung teilnahmen. Diese Präsentationen umfassen die ausführliche Beschreibung des gesamten Museums sowie eine kurze Einleitung über die einzelnen Ausstellungstücke.

März 1999:

Simon Wiesenthal Ausstellung, Biographien-Bericht, Übersetzungen, Präsentations-vorbereitungen, Anfragen: 14 mal 8 Wochenstunden
Führungen, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 5 mal 8 Wochenstunden
Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 5 mal 8 Wochenstunden
Mein Tätigkeitsbereich in der Bibliothek des Simon Wiesenthal Centers umfaßte die Hilfe bei der Fertigstellung und Einreichung des im letzten Monat begonnenen Subventionsantrages. Des weiteren bereitete ich die Ausstellung von Büchern für 2 Präsentationen vor.

Am 17. März fand ein "Arts & Lectures" Programm über das Buch "In the Garden of Our Dreams" in der Bibliothek statt, bei dessen Vorbereitung ich intensiv mitarbeiten konnte.

Den Hauptanteil meiner Arbeit für das Archiv nahmen die Vorbereitungen für die am 11.4. eröffnete Ausstellung über das Leben und Werk von Simon Wiesenthal ein. Ich assistierte Eric Saul, dem Kurator der Ausstellung, und wurde auch mit der Gliederung, Erfassung und Auswahl der auszustellenden Medaillen und Ehrungen betraut. Schließlich half ich in den Tagen vor der Eröffnung bei der Einteilung und Positionierung der Ausstellungsstücke.

Zusätzlich fertigte ich einen 16-seitigen Bericht an, der alle Größen des NS-Regimes, von Ministern bis zu hochrangigen SS-Offizieren, und deren kurze Biographie enthielt.

Ich wurde auch dieses Monat wieder mit der Bearbeitung von Anfragen beauftragt. Unter anderem betrieb ich Nachforschungen über das Flüchtlingsschiff "Struma" und das Massaker von Mizocz.
Darüber hinaus übersetzte ich Eintragungen eines gestifteten Stammbuches, welches in dem Zeitraum von 1935 bis 1939 angefertigt wurde, Berichte eines Überlebenden aus Theresienstadt, sowie einen Artikel der Zeitung "Die Neue Krone" über das Simon Wiesenthal Center und Museum of Tolerance.

Derzeit herrscht sehr reger Betrieb im Museum, daher führte ich vermehrt Gruppen und Schulklassen, ich betreute aber auch weiterhin diverse Bereiche der Toleranz Abteilung. Im Multimedia Learning Center konnte ich ebenso Führungen leiten und übernahm auch gelegentlich organisatorische Aufgaben. Wir, das Personal des Multimedia Learning Center, wurden zusätzlich damit beauftragt, Ideen und Vorschläge für ein Kinder- und Jugendprogramm zu entwerfen, in dem die Simon Wiesenthal Ausstellung großer Bestandteil werden soll.

April 1999:

Dachau Wörterbuch, Ausstellungen des Washington Holocaust Memorial Museum, Übersetzungen: 13 mal 8 Wochenstunden

Führungen, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 4 mal 8 Wochenstunden

Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center, Sunflower Projekt, Übersetzung der Landkartenlegende: 5 mal 8 Wochenstunden

Diesen Monat begann ich mit der Übersetzung eines Wörterbuches, welches ein deutschsprachiger Häftling des Konzentrationslagers Dachau angefertigt hatte. Darin definiert er Wörter des deutschen Sprachgebrauches, welche im KZ Dachau mit einer neuen Bedeutung verwendet wurden.

Das Holocaust Memorial Museum in Washington bereitet derzeit eine Ausstellung vor, für welche es das Archiv des Simon Wiesenthal Centers um Hilfe gebeten hatte. Aus diesem Grund bereitete ich eine umfassende Materialsammlung über das jüdische Leben in der Zwischenkriegszeit vor. Da außerdem die Simon Wiesenthal Ausstellung, welche derzeit im Museum of Tolerance gezeigt wird, anschließend im dem Washingtoner Holocaust Memorial Museum starten soll, legte ich Daten über die einzelnen Ausstellungsstücke an.

Weiters übersetzte ich den größten Teil eines 17-seitigen Briefes eines deutschen Juden an seinen Sohn in Großbritannien. Er ist 1941 mit seiner arischen Frau nach Schanghai emigriert und konnte so dem Naziregime gerade noch entkommen. Er erzählt von seinen Problemen in Deutschland, den Strapazen ein Visum zu erlangen, der Reise durch Rußland und den Erlebnissen in Schanghai. Da das Simon Wiesenthal Center einen großen Teil der Zeichnungen und Dokumente von Friedl Dicker Brandeis besitzt, wurde ich beauftragt, einige Unterlagen dieser Kollektion anläßlich der in Wien stattfindenden Ausstellung zu übersetzen.

Diesen Monat hat ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche begonnen, welches die Erlebnisse und Leiden Simon Wiesenthals anhand der derzeitigen Ausstellung veranschaulichen soll. Ich las für dieses Programm das Buch "The Sunflower" von Simon Wiesenthal um Ideen und Gedanken für eine Diskussion zu entwickeln. Außerdem befindet sich unter den verwendeten Ausstellungsstücken auch eine sehr detaillierte und ausführliche Landkarte über die militärischen Aktionen der Nazis und auch deren Bevölkerungspolitik, deren Legende ich übersetzte. Daneben übernahm ich auch die üblichen Führungen und gelegentlich organisatorische Arbeiten im MLC.

Am 12. Mai fand auch ein von der Bibliothek veranstaltetes "Arts & Lectures" Programm über das Buch "The Sunflower" mit Rabbi Yosef Kanefsky und Dr. Barbara Wettstein als Gastredner statt, bei dessen Vorbereitung ich intensiv mitarbeiten konnte.

Des weiteren fertigte ich eine Beschreibung der Häftlingskategorien an, in welche die Gefangenen der Konzentrationslager eingeteilt wurden. Diese Einteilungen wurden in Form von verschiedenfarbigen Dreiecken, die oberhalb der Häftlingsnummern an der Uniform befestigt wurden, ersichtlich gemacht. So hatten zum Beispiel politische Gefangene rote Dreiecke, jüdische Gefangene gelbe Dreiecke, Zeugen Jehovas violette Dreicke, inhaftierte Zigeuner braune Dreiecke, et cetera.

Im Museum habe ich wie üblich regelmäßig Schulklassen geführt und auch Abteilungen der Toleranz-Abteilung betreut.

Mai 1999:

Dachau Wörterbuch, Sunflower-Kommentar, Zusammenstellen der Videokollektion, Buchpräsentationen, Übersetzungen: 13 mal 8 Wochenstunden
Führungen, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 4 mal 8 Wochenstunden
Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 4 mal 8 Wochenstunden
Ich konnte diesen Monat an der Übersetzung des Wörterbuches des Häftlings vom Konzentrationslager Dachau weiterarbeiten. Dies erweist sich als langwieriger Prozeß, da das Wörterbuch einerseits sehr umfangreich und andererseits bereits ziemlich fragil ist, was große Sorgfalt verlangt. Des weiteren übersetzte ich auch Teile des Buches von George Kadisch’s erster Frau, welche von seinem Leben im Ghetto und einigen seiner Erlebnissen erzählen.

Außerdem kommunizierte Fama Mor mit dem deutschen Bundesarchiv mehrmals per Fax, wobei ich jeweils als Übersetzer fungierte. Adaire Klein, Direktorin von Bibliothek und Archiv, hat mich um ein Kommentar über das "Arts & Lectures" Programm über das Buch "The Sunflower" mit Rabbi Yosef Kanefsky und Dr. Barbara Wettstein als Gastredner, welches am 12. Mai stattfand, gebeten. Sie plant, dieses Kommentar gemeinsam mit den zusammengefaßten Reden der Vortragenden als Schulmaterial an Professoren und Lehrer auszusenden.

Die von Steven Spielberg betriebene Shoah Foundation zeichnet Aufnahmen von Überlebenden des Holocausts auf und hat bereits eine umfangreiche Datenbank. Adaire Klein möchte nun aus dieser Sammlung eine Kollektion von Videoaufzeichnungen für die Bibliothek des Simon Wiesenthal Centers erwerben. Ich durfte anhand der Kurzbeschreibungen dieser Aufzeichnungen 255 Std. an Videomaterial zusammenstellen. Die Aufgabe dabei bestand darin, sowohl möglichst interessante und abwechslungsreiche Erzählungen zu finden als auch auf eine gerechte Aufteilung zwischen weiblichen und männlichen Überlebenden zu achten. Natürlich durften die deutschsprachigen Aufzeichnungen Simon Wiesenthals, welche allein schon mehr als zehn Stunden umfassen, nicht fehlen.

Schließlich betreute ich gelegentlich Besucher der Bibliothek und bereitete wieder Buchpräsentationen für „Tools for Tolerance“-Programme vor. Im Multimedia Learning Center übernahm ich wie gewöhnlich Führungen von Gruppen, und auch die gelegentliche Koordination solcher Führungen.

Natürlich führte ich auch Gruppen durch Holocaust- und Toleranzabteilung und ich betreute Besucher in verschiedenen Bereichen des Museums. Zusätzlich übernahm ich wieder Präsentationen für Besucher, welche nicht an einer Gruppenführung teilnahmen. Darüber hinaus wurde mir bereits mehrmals sowohl im Multimedia Learning Center als auch in den anderen Bereichen des Museums das Abdrehen und Abschließen am Ende des Werktages anvertraut.

Juni 1999:

1. Dachau Wörterbuch, Übersetzungen, Zusammenstellung von Kollektionen: 13 mal 8 Wochenstunden
2. Führungen, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 5 mal 8 Wochenstunden
3. Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 4 mal 8 Wochenstunden
Diesen Monat konnte ich meine Arbeit am Wörterbuch des Dachau-Häftlings fortsetzen. Mittlerweile habe ich in etwa die Mitte des Buches erreicht. Außerdem durfte ich noch einige andere Dokumente übersetzen. Dazu zählten insbesondere zwei Briefe die eine homosexuelle Beziehung zwischen Ernst von Rath und Herschel Grynspan andeuten. Bisher wurde vermutet, daß Herschel Grynspan den deutschen Botschafter in Frankreich, Ernst von Rath, ermordet hat, weil seine jüdischen Eltern aus Deutschland ausgewiesen wurden und tagelang in der Kälte unter schlechten Bedingungen im Niemandsland bleiben mußten, weil sie nirgends einwandern durften. Dieses Attentat war der Vorwand für die Nazis, am Abend des 9. November 1938 die Reichskristallnacht zu initiieren. Diese Briefe würden nun andeuten, daß es vielmehr persönliche und nicht politische Motive waren, die Grynspan zu dieser Aktion bewegten. Des weiteren übersetzte ich eine von Hitler und Ribbentrop unterzeichnete Beförderung zum Konsul 1. Klasse und einige Bankdokumente des Deutschen Reiches (Wechsel und dergleichen) und ich half beim Brief- und Faxverkehr mit dem dt. Bundesarchiv.

Außerdem konnte ich aufgrund meiner juristischen Kenntnisse beim Verfassen und Abschluß des Mietvertrages zwischen dem Simon Wiesenthal Center und dem Palais Harrach für die dort geplante Ausstellung helfen. Schließlich stellte ich drei Kollektionen an Büchern und Video- und Audiomaterial zusammen. Eine davon befaßt sich mit Japanischen Amerikanern und deren Problemen, die zweite Kollektion handelt von der Civil Rights Bewegung unter Martin Luther King in den 60-er Jahren und die dritte enthält Material über Theresienstadt und die dort entstandenen Kinderzeichnungen.

Im Museum übernahm ich wie bisher Führungen, wobei mir sowohl die Führung von zwei Amerikanischen Schriftstellern als auch das California Conservation Corpse als Gruppe anvertraut wurde. Natürlich betreute ich wieder die einzelnen Bereiche des Museums und deren Besucher. Im Multimedia Learning Center übernahm ich wie gewöhnlich Führungen von Gruppen, und auch die gelegentliche Koordination solcher Führungen. Zusätzlich erledigte ich auch organisatorische Arbeit.

Jedes Jahr im Sommer finden im Rahmen des „Tools for Tolerance“-Programmes auch einwöchige Seminare für Lehrer statt. Diese Seminare veranlassen die Lehrer, sich ausführlich mit den Themen Tolerance, Umgang mit diversen ethnischen Gruppen, Holocaust, und ähnlichem, auseinanderzusetzen. In der Vorbereitungsphase für diese Seminare konnte ich intensiv an der Logistik und der Materialienzusammenstellung mitarbeiten.

Juli 1999:

Programme, Bücherzusammenstellung, Übersetzungen, Kaddish - Fotokollektion und -komposition: 7 mal 8 Wochenstunden
VIP-Führung, Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum: 2 mal 8 Wochenstunden
Volontär-Präsentation, Arbeitsrechtsnachforschung, Führungen und organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 3 mal 8 Wochenstunden
Urlaub: 2 Wochen
In der Bibliothek fanden dieses Monat wieder 2 Programme statt. Beim Ersten handelte es sich um Geschichten-Erzählungen für Kinder und Jugendliche von und mit der Schriftstellerin und Künstlerin Lynn Z. Wexler, das Zweite war ein Arts & Lectures Programm mit dem Titel „The Art of Memory“. Bei beiden Ereignissen konnte ich einen großen Teil der Vorbereitung übernehmen und half anschließend bei der Koordination.

Ich wurde auch gebeten, für Frau Liebe Geft, Direktorin des Museum of Tolerance, eine Auflistung von Kinder- und Jugendbüchern mit Holocaust-Bezug anzufertigen. Außerdem verfaßte ich ein Schreiben an einen Bürgermeister in Deutschland wegen eines in seiner Stadt veröffentlichten Buches.

Da das Simon Wiesenthal Center sehr eng mit dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington zusammenarbeitet, konnte ich für Fama Mor, Archivistin des Centers, eine Komposition an Fotos der Kadish Kollektion nach bestimmten Kriterien für Reproduktionen zusammenzustellen, welche dann an das Memorial Museum geschickt werden.

Des weiteren plant das Simon Wiesenthal Center einen Großteil der Kaddish Kollektion online auf dessen Homepage zugänglich zu machen. Aus diesem Grund begann ich dieses Monat mit der Überarbeitung der Kollektion, insbesondere der Überprüfung der Richtigkeit und Vollständigkeit der Einträge.

Es begann diesen Monat eine große Gruppe an Volontären im Museum of Tolerance zu arbeiten. Im Zuge der Einschulung dieser Volontäre wurde ich gebeten, eine Präsentation über die Struktur und Gründe des Gedenkdienstes zu halten. Nach derselben beantwortete ich einige Fragen, bevor ich mit Applaus verabschiedet wurde.

Da die nächste temporäre Ausstellung im dritten Stock des Museums hauptsächlich von Sweatshops handeln soll, hatte ich die Aufgabe, die Entwicklung des Arbeitsrechtes in den Vereinigten Staaten ab 1850, die Beweggründe dafür, sowie die Auswirkungen auf Sweatshops zu erforschen und darzulegen.

Ich übernahm im Museum of Tolerance neben den üblichen Aufgaben, wie Präsentationen und Betreuung der Besucher in den einzelnen Bereichen und Abschließen der Holocaust- und Toleranz-Abteilung, auch eine VIP-Führung eines amerikanischen Historikers.

September 1999:

Materialsammlung, Anfragebeantwortungen, Vorbereitung von "Write to Tolerance", Büroarbeit: 13 mal 8 Wochenstunden
Präsentationen und Betreuung von Stationen im Museum, Floor-Management, Einschulungen, Führung Hannah Lessings und Bernd Hafenbergs: 4 mal 8 Wochenstunden
Führungen, Koordinierung, organisatorische Arbeit im Multimedia Learning Center: 5 mal 8 Wochenstunden
Den größte Teil meiner Arbeiten dieses Monats leistete ich für das Archiv des Simon Wiesenthal Centers. Am 4. Oktober ist Fama Mor, Archivistin des Centers, für 3 Wochen nach Israel geflogen und hat mich mit der Verantwortung für das Archiv betraut. In dieser Funktion begann ich mit der Materialsammlung für einen Gedenkfilm, der von der Center-eigenen Moriah-Filmproduktion für das am 9. November stattfindende, jährliche National Tribute Dinner erstellt werden soll. Derzeit arbeite ich gerade mit Colette Fox vom Newseum in Washington sowie mit Jill Carson von Lucent Books zusammen, um deren Wünsche nach bestimmten Fotografien zu erfüllen. Nebenbei erledigte ich den größten Teil der anfallenden Büroarbeit wie Telefonate und e-mails beantworten sowie den Briefverkehr.

Neben den gewöhnlichen Führungen von Schulklassen oder Professoren übernahm ich wieder die Einschulung von neuen Tourguides und die Position des Floormanagers während eines Meetings.
Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit an einem Mittagessen mit Mag. Werner Brandstetter, öst. Generalkonsul, Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus, Liebe Geft, Direktorin des Museums, Adaire Klein, Direktorin von Bibliothek und Archiv, und einigen anderen Mitarbeitern des Centers teilzunehmen und anschließend Frau Lessing durch das Museum zu führen.
Am darauffolgenden Tag wurde ich zu einer weiteren VIP-Führung herangezogen, wobei meine Gruppe aus Herrn Hafenberg, dem Konsul Deutschlands, und einigen seiner Mitarbeiter bestand.

Im Multimedia Learning Center führte ich wie bisher Gruppen und übernahm gelegentlich die Koordination derselben.

Einige Male übernahm ich auch die Überprüfung des Computersystems.

Am Sonntag, den 17. Oktober, wird in der Bibliothek des Simon Wiesenthal Centers und in einigen Klassenräumen der Tools for Tolerance Abteilung das "Write to Tolerance" Programm stattfinden, wobei am Ende des Programmes der jährliche "Once Upon A World Book Award" verliehen wird. Für dieses Programm übernahm ich die Einteilung der diversen Workshops, erstellte in Zusammenarbeit mit der Grafikabteilung einige Designs und erledigte mehrere andere Vorbereitungsarbeiten.