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Gedenkdienst: Kritik an Strasser
Auslandsdienst im Montrealer Holocaust-Museum wegen Sparkurs
des Innenministers gefährdet - Jüdische Gemeinde
springt ein
Wien - Seit fünf Jahren versehen österreichische
Gedenkdiener ihren Ersatz-Zivildienst im Holocaust-Museum
in Montreal. Bezahlt wurde der einjährige Auslandsaufenthalt
bisher immer vom Innenministerium. Doch nach den Kürzungen
der Bundesregierung im Bereich des Zivildienstes im Ausland
drohte diesem Projekt das Aus.
Um die Zusammenarbeit fortsetzen zu können, finanziert
die Jüdische Gemeinde Montreals ab 1. März 2002
zwei Gedenkdiener aus Österreich. Der Gründer des
Gedenkdienstes in Österreich, der Innsbrucker Politologe
Andreas Maislinger, sieht darin "eine Teilabkehr vom
ursprünglichen Konzept des Gedenkdienstes".
Derzeit sind drei österreichische Auslands-Zivildiener
im Holocaust-Museum in Montreal tätig, die noch vom Innenministerium
finanziert werden. "Der Beitrag und die Hingabe der Gedenkdiener
ist lobenswert, unermesslich und entscheidend", bestätigt
auch die Direktorin des Montreal Holocaust Museum, Ann Ungar.
Die Kooperation mit Österreich sei bisher dermaßen
erfolgreich verlaufen, dass jeder der Gedenkdiener auch als
Angestellter des Museums weiterarbeiten hätte können.
Maislinger: "Ständig Schwierigkeiten mit der Finanzierung"
"Montreal ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie
beliebt österreichische Gedenkdiener in der ganzen Welt
sind", so Andreas Maislinger. Es sei ihm durchaus bewusst,
dass der Gedenkdienst in den vergangenen zehn Jahren seines
Bestehens enorm gewachsen ist: "Doch anstatt, dass man
sich in Österreich darüber freut, gibt es ständig
Schwierigkeiten mit der Finanzierung."
Kritik übt Maislinger an Innenminister Ernst Strasser
(ÖVP): "Österreich kann sich den Gedenkdienst
in der jetzigen Form sehr wohl leisten. Nur scheint Strasser
leider geringes Interesse am Gedenkdienst zu haben."
Jedenfalls entstehe daraus nun die einmalige Situation, dass
sich eine Jüdische Gemeinde in Kanada österreichische
Gedenkdiener selbst finanziert.
Maislinger, der 1992 den Gedenkdienst in Österreich
ins Leben rief, versteht auch die Kritik an seinem Projekt:
"Es heißt immer, wir sollen eben nicht so viele
Gedenkdiener entsenden, wenn nicht genug Geld dafür da
ist. Aber wieso sollen wir etwas, das so gut funktioniert,
nicht wachsen lassen?" Seit 1992 leisteten mehr als 200
Gedenkdiener Zivil-Ersatzdienst in Holocaust-Organisationen
weltweit. (APA)
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