Welser Rundschau
Wels Stadt
28. August 2002
GEDENKDIENST
In Frankreichs Märtyrerdorf leistet Werner Kutil wertvolle Arbeit
Oradour-sur-Glane, ein kleines Dorf in der französischen Provinz. Bis Paris sind es dreieinhalb Autostunden, Bordeaux erreicht man in weniger als drei Stunden. Am 10. Juni 1944, vier Tage nach der Landung der Alliierten, wurde der Ort von einer Einheit der SS-Division „Das Reich" umzingelt. 642 Männer, Frauen und Kinder wurden massakriert, erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannt.
Es ist ein trauriger Ort, an dem der 28-jährige Welser Werner Kutil seit mittlerweile zehn Monaten seinen Gedenkdienst leistet. Der Verein für Dienste im Ausland machte dies möglich und der Staat finanziert auch einen Teil von Kutils Aufenthaltskosten.
Vor drei Jahren wurde das Zentrum des Gedenkens vom Präsidenten Jacques Chirac eingeweiht. Das neu errichtete Zentrum zählt pro Jahr über 100.000 Besucher. Die Ruinen werden von über 350.000 Interessierten besucht.
„Mein Beweggrund, hier Gedenkdienst zu machen, war für mich vor allem, viel über die Vergangenheit zu lernen, um dieses Wissen dann auch weitergeben zu können" sagt Kutil.
Neben der Organisation einer Europäischen Tagung im März 2002 kümmerte sich der Welser um Übersetzungen, erledigte Recherchen und knüpfte Kontakte zu anderen Gedenkstätten.
Vor seinem Gedenkdienst studierte Kutil Internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck.
Oradour und seine schreckliche Vergangenheit waren ihm kein Begriff: „Während meiner Vorbereitungen auf den Gedenkdienst habe ich aber schon sehr viel über Oradour und Frankreich im 2. Weltkrieg erfahren."
Erst kürzlich interviewte der Gedenkdiener Robert Hébras, einen der wenigen Überlebenden des Massakers. Im Juli begann der Welser HAK-Absolvent mit Führungen durch die Ausstellung des Zentrums und die Ruinen.
An Frankreich hat der sympathische Student unterdessen sein Herz verloren: „Ich trage mich mit dem Gedanken, hier zu bleiben" gesteht er im Telefonat mit der WELSER RUNDSCHAU. Seine französische Freundin Cecile sei der Grund, in Frankreich zu bleiben: „Die Mama weiß schon Bescheid und ist natürlich etwas traurig. Andererseits versteht sie mich und unterstützt mich voll und ganz bei meiner Entscheidung."
Von Erik Famler
Bearbeitet von Werner Kutil und Florian Niederndorfer. |
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