| France Inter: Auszug aus der Radiosendung: "BÂTISSEURS
D'EUROPE", Sendetermin: Samstag, 8. Juni 2002, 19.30 -
20.00)
Werner Kutil: Ich heiße Werner Kutil, bin 28 Jahre
alt und komme aus Österreich, genauer gesagt aus Innsbruck.
Ich leiste meinen Zivildienst als Gedenkdienst im Zentrum
des Gedenkens in Oradour für die Dauer von 14 Monaten.
France Inter: Warum sind Sie hier her gekommen?
Werner Kutil: In Österreich hat man immer gesagt, man
sei das erste Opfer des Nationalsozialismus und man hat dabei
vielleicht vermieden zu sagen, daß es viele Personen
gab, die an den Grausamkeiten beteiligt waren. Jetzt beginnt
das,... oder seit 10 Jahren hat man begonnen, in dieser Hinsicht
eine Reflexion durchzuführen und das erachte ich als
sehr wichtig.
France Inter: Der österreichische Gedenkdienst ist eine
Alternative zum Militärdienst, die in Österreich
seit 1991 besteht und die den Aufenthalt von ca. 40 jungen
Österreichern in Institutionen, die sich dem Gedenken
an die Opfer der Barbarei der Nazis widmen.Es gibt in Deutschland
eine gleiche Organisation, nur daß diese nicht den gleichen
Namen trägt. In Deutschland ist dies die Aktion Sühnezeichen
Friedensdienste.
Es ist an und für sich eine interessante Idee, außer
daß die Koalition rechts-extrem-rechts, die in Österreich
an der Macht ist, kürzlich entschieden hat das Budget
für diesen Gedenkdienst zur Hälfte zu reduzieren.
Eine Sache die wirklich sehr bedauerlich ist, aber letztendlich
nicht erstaunlich, betrachtet man die Ideen, die in der FPÖ
regieren. Wie auch immer, zur Hälfte gekürztes Budget
oder nicht, Werner wird seine 14 Monate in Oradour leisten.
Werner Kutil: Durch die Kreation der
Europäischen Union, einer Zone in der alle Europäer
leben,...erachte ich es als sehr wichtig, daß wir diese
Aufgabe gemeinsam angehen, daß wir die verschiedenen
Erinnerungen, Gedenken teilen, seien dies jetzt die Zeitzeugenberichte
in den verschiedenen Ländern oder seien dies die persönlichen
Zugänge der Leute, dies ist sehr wichtig. |