Österreich: Klarer Schnitt
beim Gedenken
Reduziertes Budget für die "Diener des Gedenkens"
an die Opfer der Nazis
Von PIERRE DAUM
Wien von unserem Korrespondenten
Für Österreich, das noch immer die Lasten der Vergangenheit
zu tragen hat, konnte es gar keine schönere Initiative
geben: Seit 10 Jahren subventioniert der österreichische
Staat den Auslandaufenthalt von ungefähr 40 jungen Männern,
die anstatt den Militärdienst zu leisten, ihre Dienste
diversen Institutionen, die sich dem Gedenken an die Opfer
der Nazis verschrieben haben, zur Verfügung stellen.
(14 Monate anstatt 8 Monate) Einige gehen nach Israel, als
Hilfskräfte in einem Haus von Holocaustüberlebenden,
andere gehen in die Vereinigten Staaten, ins Simon-Wiesenthal-Center,
oder nach Frankreich in die "Fondation pour la mémoire
de la déportation". (Stiftung für das Gedenken
an die Deportation)Nun hat die Regierung von Wolfgang Schüssel
(Rechtskonservative in Koalition mit der Rechtsextremen) beschlossen,
unter dem Deckmantel der Budgetkürzungen die Subventionierungen
für die Gedenkdiener zur Hälfte zu kürzen.
Image. "Das ist absolut unverständlich", versteht
Andreas Maislinger die Welt nicht mehr. Andreas Maislinger
ist der Vorsitzender eines Vereins für Wehrdienstverweigerer
ist; er hat diesen Militärdienst in Österreich nach
einem schon in Deutschland existierenden Modell gegründet.
"Diese jungen Männer kosten dem Staat praktisch
nichts (sie bekamen insgesamt jeder 10.000 Euro), aber was
sie dem Staat an Imagegewinn bringen, ist unschätzbar!"
Werner Kutil, ein 28-jähriger Oberösterreicher,
der gerade im Centre de la mémoire d'Oradour-sur-Glane,
in Frankreich seinen Dienst angetreten hat, ist eines der
ersten Opfer dieser Sparpolitik. "Auch wenn ich nichts
von der Regierung bekommen werde, werde ich die 14 Monate
hier bleiben", verspricht der Junge, der aus einer bürgerlichen,
katholischen Familie stammt. "Leider gibt es auf der
Welt noch immer Rassismus und Antisemitismus. Ich versuche
hier einen kleinen Teil dazu beizutragen, daß sich die
vergangenen Greueltaten nicht wiederholen."
Hereingelegt. Die Direktorin des Zentrums von Oradour, Anne-Dominique
Barrère, bezeichnet die neue Haltung der österreichischen
Behörden, als "sehr bedauerlich". Detail am
Rande: Die Direktorin hatte ein Dankesschreiben an den Präsidenten
der österreichischen Republik, Thomas Klestil geschrieben,
in dem sie Ihre Freude über die Ankunft von Werner ausdrückt.
"Es ist sehr mutig von einem jungen Österreichern,
hierher zu kommen, um sich mit den Verbrechen der Nazis auseinander
zu setzen." Der Präsident (durch Vermittlung seines
Kabinetschefs) hat ihr soeben geantwortet, mit der Versicherung,
daß er die Arbeit der Freiwilligen als "sehr wichtig"
erachtet. "Hierbei fühle ich mich wirklich hereingelegt!",
so Anne-Dominique Barrère. In Wien halten die Behörden
an Ihrer Budgetvision fest: "Ausgehend vom Budget 2001",
erklärt man im Innenministerium, "haben wir nur
mehr Geld für maximal 25 Freiwillige. Punkt und aus."
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