| Österreich: Im Dienst der Erinnerung
Seit Anfang 1999 ist es für junge Österreicher
möglich geworden, in Mailand, in diesem Fall an der Fondazione
CDEC, einen Auslandsdienst zu leisten.
Selbiger dauert 14 Monate und ist eine Alternative zum Militärdienst
in Österreich. Der Gedenkdienst muss an einer Institution
absolviert werden, die sich mit dem Gedenken an die Shoa und
die Opfer des Nationalsozialismus beschäftigt. Nach dem
Zweiten Weltkrieg ist die Verantwortung von Österreichern
für die Geburt des Nationalsozialismus und in Folge für
die Shoa vergessen oder absichtlich verdrängt worden.
Das Selbstbild Österreichs als das erste Opfer deutscher
Aggression hat auch zu diesem Desinteresse für die Vergangenheit
im Dritten Reich beigetragen. Die Initiative Gedenkdienst
ist folglich sowohl eine Reaktion auf die erwähnte Gleichgültigkeit
gegenüber der Geschichte, als auch ein konkreter Versuch,
etwas an diesem Umstand zu ändern.
Der Gedenkdienst bietet einerseits eine konkrete Unterstützung
der jeweiligen Institution, die sich bereiterklärt, an
der Initiative teilzunehmen, und hat andererseits Symbolwirkung:
Österreicher, die sich der dunklen Seiten ihrer Geschichte
bewusst sind, gehen ins Ausland, an Gedenkstätten und
frühere Lager, oder zu Instituten wie dem CDEC, die sich
mit Shoa - Forschung beschäftigen, und arbeiten damit
in positiver Weise an den "Orten", an denen andere
Österreicher vor ihnen Verbrechen begangen haben.
Die aktiven Gedendiener im Ausland erhalten einen Kostenersatz
vom österreichischen Ministerium für Inneres. Der
Gedenkdienst stellt einen Versuch der Beschäftigung mit
der Vergangenheit Österreichs in Bezug auf den Mord an
Juden, Roma und Sinti, und anderer von den Nazis verfolgten
Gruppen dar.
Abgesehen davon bietet er die Möglichkeit einer Neubewertung
der Rolle Österreichs in der Geschichte, ein Part, der
im Selbstbewusstsein vieler Österreicher zu oft nur mit
dem "Opfer" assoziiert wird.
Der Gedenkdienst wurde in Österreich aufgrund der Bemühungen
des "Vereins für Dienste im Ausland" eingeführt,
dessen Gründer der Politologe Dr. Andreas Maislinger
ist.
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